Die Sache mit dem Einkaufszettel

Jede Woche das gleiche Spiel. Same Procedere as every Week sozusagen. Um die lebenserhaltende Maßnahme der Nahrungszufuhr sicherzustellen, bin ich gezwungen in regelmäßigen Abständen eine Verkaufsstätte aufzusuchen, die Lebensmittel im allgemeinen und Nahrung im Besonderen führt. Ein so genannter Supermarkt.
Dieser regelmäßige Abstand ist einmal pro Woche. Das ist durchaus genügend, da ich keine Tonnen für die vorgenannte lebenserhaltende Maßnahme für sieben Tage benötige.
Nun bin ich bedauerlicherweise ein Pi-mal-Daumen-Einkäufer. Und eine absolut faule Socke. Ich verbinde gern Wege miteinander, um möglichst selten in meine Wohnstatt einzukehren und sie wieder verlassen zu müssen. Denn dort müsste ich mich dann möglicherweise meiner Jacke, Mütze, Stiefel, Schal und was man sonst noch alles trägt entledigen, insbesondere nach dem Schwimmbadbesuch die feuchten Tücher und den triefenden Badeanzug an verschiedenen Stellen der Wohnung aufhängen und schließlich den Kram zum Einkaufen zusammen suchen. In der Zwischenzeit müsste ich aufs Klo, mir fiele ein, dass ich den Müll noch rausbringen muss, die Waschmaschine könnte ich auch gleich noch füllen und anstellen. Und Ruckzuck sind zwei Stunden um und ich habe keine Lust mehr nach draußen zu gehen. Also optimiere ich. Und gehe direkt vom Schwimmbad aus meinen zukünftigen Kühlschrankinhalt kaufen.
Als Pi-mal-Daumen-Einkäufer schreibe ich keinen Einkaufszettel. In der Regel prüfe ich auch nicht den Füllstand meines Kühlschranks, um feststellen zu können woran es gerade mangelt. Das würde ich übrigens auch nicht machen, wenn ich unmittelbar vor dem Einkauf in meine Wohnung einkehren würde. Ich ziehe hier gern Erfahrungswerte heran. Oder überschlage, was ich in der letzten Woche im Einkaufswagen hatte und was zwischenzeitlich eine Rundreise durch meinen Magen-Darm-Trakt gewonnen hat.
Jede Woche wieder stehe ich also mit meinem Einkaufswagen im Supermarkt. Und überlege. Und schaue. Und überlege weiter. Denn ich schreibe ja keinen Einkaufszettel. Die zwei – drei Sachen die ich unbedingt brauche, kann ich mir ja wohl noch merken! Bin ja noch nicht soooo alt.
Allerdings vergesse ich immer wieder die Verzögerung mit einzuberechnen. Das geht ja schon in der Obst- und Gemüseabteilung los. Geschätzte vier Stunden schlurfe ich zwischen Äpfeln, Salatköpfen, Gurken, Mangos, Sellerie und Kartoffeln hin und her und überlege. Ich befühle jede Tomate und jede Mandarine einzeln. Und ich überlege. Brauche ich Tomaten? Ich mag Tomaten. Aber letzte Woche hatte ich erst Tomatensuppe. Und Tomatensalat ist so kalt. Nichts für den Winter. Doch Tomatensuppe? Na, ein paar Tomaten im Haus können nicht schaden. Die kommen schon weg. Und Mandarinen. Eigentlich mag ich die nicht so, aber die letzten waren ganz lecker. Kann man gut mit ins Büro nehmen für nebenbei zum Essen. Brauch ich ein ganzes Netz? Eigentlich nicht … oder doch? Doch. Hält sich ja ne Weile.
Dann kommt das Brot. Aber da kauf ich eh keins. Höchstens beim Bäcker. Da muss ich nachher auch Brötchen holen fürs Frühstück. Vier sollten reichen. Aber erst mal weiter einkaufen.
In dieser Art schlendere ich mit teils verwirrtem Blick durch die mit allerlei Lebensmitteln gefüllten Regalsysteme. Bleibe vor einem links abbiegenden Gang stehen und blicke planlos hinein. Und ich überlege wieder. Brauche ich Müsli? Nein. Eigentlich nicht. Ich schüttele den Kopf und es geht weiter. Zum nächsten Gang. Dort gibt’s Nudeln. Wollte ich was mit Nudeln machen am Wochenende? Eigentlich auch nicht. Oder?
So schleppe ich mich quasi von einem Regal zum anderen. Bleibe immer wieder ratlos stehen, gucke planlos von rechts nach links oder auch mal zurück. Stehe staunend vor geschätzten 500 Sorten Dosenmais. Manchmal schlurfe ich auch zurück, weil ich vergessen hab, wo ich schon dran vorbei gelaufen bin. Dass mich noch niemand angesprochen hat, ob er vielleicht helfen kann oder wo denn mein Pfleger ist, verwundert mich echt.
Und das tröstliche ist, spätestens beim dritten Anlauf, kaufe ich dann auch garantiert das was schon vor Wochen auf dem Einkaufszettel hätten stehen sollen.

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