Anekdoten aus Schottland 19: Die Sommerresidenz der Queen

Am und um Schloss Balmoral ist ziemlich viel los. Einer der Plätze wo Touristen wohl Busweise hingekarrt werden. Der Parkplatz ist jedenfalls gut belegt. Bis zum Schloss nehme ich den Shuttle-Service in Anspruch – ein vom Traktor gezogener, überdachter Anhänger. Aufgrund der Sitzgelegenheiten kann man aber immerhin nicht mehr von Viehtransport reden.

Balmoral Castel von rechts ...

Balmoral Castel von rechts …

Wir werden trotzdem – irgendwie passenderweise – an den Stallungen abgeladen. Dort gibt es natürlich keine Pferde. Zumindest keine die man sieht. Vielmehr sind in den großen Räumen der Gebäude kleinere Ausstellungen untergebracht.

Bevor ich mich ins Besichtigungsvergnügen stürze, hole ich mir einen tragbaren Audio-Guide. Doch gleich am Anfang hadere ich mit der Technik: ich kann den Knopf nicht finden, an dem ich einstellen kann, dass ich gern eine deutsche Führung hätte. Mein Englisch ist zwar deutlich besser als ich befürchtet habe, aber wenn ich hier schon mal wählen kann… Ich gehe also zurück zur Ausgabestelle und bitte den Mann um Hilfe. Nach einem überraschten Blick nimmt er mir meinen Guide ab und gibt mir einen neuen – mit Deutschmarkierung. Am Audio-Guide kann man gar nichts einstellen. Die geben die Geräte nach Sprachen sortiert raus. Meine Sprachperfomance im Englischen ist also offenbar so überzeugend, dass kein Zweifel an meiner Herkunft aufkommt. *g*

Mit dem Stöpsel im Ohr schallen mir die Infos nun auf Deutsch entgegen. Ich gebe zu, so rasend spannend finde ich es jetzt nicht, wann die Queen ihre ersten Ski bekommen hat und welche Maler/Sportler/Künstler hier im Stall schon genächtigt haben.

Ich wandere also durch die großzügige Parkanlage zu den Gärten hin. Soll ich noch mal das traumhafte Wetter mit Sonnenschein und blauem Himmel erwähnen? Wahrscheinlich regnet es so gut wie nie in Schottland und diese Behauptung ist bei aller Werbung nur eine raffinierte Finte der Tourismusbehörde, damit die Besucher das Land nicht überrennen.

... und Balmoral Castel von links *g* - Schönes Postkartenmotiv

… und Balmoral Castel von links *g* – Schönes Postkartenmotiv

Ich begutachte gut gelaunt den Nutzgarten der Queen. Ziemlich viel Grünzeug. Die Blumenvielfalt ist nur in einem Glashaus zu bewundern. Darüber hinaus ist von einem Blumengarten nicht viel zu sehen. Ganz zu schweigen vom viel gerühmten Rosengarten. Das enttäuscht mich etwas. Auch die Einblicke ins „Gartenhäuschen“ in dem Prinz Harry schläft, wenn er mal da ist, reißen das nicht raus.

Balmoral selber ist durchaus beeindruckend. Vor dem strahlend blauen Himmel hebt es sich imposant mit seinem grauen Stein ab. Die großen und kleinen Türme mit den spitz zulaufenden Dächern nehmen dem eckigen Schloss etwas von seiner Trutzigkeit. Lediglich ein Raum in Balmoral ist den Touristen zugängig: der Ballsaal mit allerlei Gemälden, Kleidungsstücken der Queen und einem kleinen Kino. Ich weiß nicht, ob das daran liegt, dass im Rest des Schlosses die Vorbereitungen für die Ankunft der Queen eine Woche später schon laufen. Vielleicht darf man auch generell nur diesen einen Raum ansehen.

Ich könnte ein paar Pflanzen aus der königlichen Gärtnerei kaufen. Aber alles was ich sehe sind kümmerliche Reste, wie nach einem Heuschreckenschwarm. Um eine anständige Pflanze zu kriegen, müsste man wohl viel früher kommen. Und ich kann das Ding ja eh schlecht transportieren. Eine Schnapsidee also. Langsam kehre ich dem royalen Urlaubssitz den Rücken und beginne wieder einmal die Suche nach einer Schlafmöglichkeit.

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2 Gedanken zu “Anekdoten aus Schottland 19: Die Sommerresidenz der Queen

  1. Ich hab das auch schon oft erlebt, dass man von manchen Dingen enttäuscht wird, wenn man sie dann live sieht… Zu den Blumen/Pflanzen aus der Gärtnerei: vielleicht kannst Du sogar froh sein, dass keine mehr da waren. Vermutlich überteuert und (ebenso vermutlich) „nur“ von einem Großhändler, der täglich anliefert 😉
    LG
    Tanja

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    • Hallo Tanja,
      ja, bei manchen hochgelobten Dingen ist die Ernüchterung hin und wieder groß. Aber ich habe so viele tolle Sachen erlebt und schönes gesehen, dass solche „Enttäuschungen“ in dem Falle leicht zu verschmerzen sind.
      Und ich hätte vermutlich auch nicht wirklich eine Pflanze dort gekauft. Ich wüsste nicht mal, ob man Pflanzen mit dem Flieger transportieren darf bzw. wie das funktionieren soll. *g* Und Du hast sicher recht, wahrscheinlich hätte die Pflanze die Queen nicht mal von weitem gesehen. *g*
      Liebe Grüße
      sanne

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