Chris Carter: Der Totschläger

Chris Carter schickt Detective Hunter und Detective Garcia wieder einmal in die Abgründe der menschlichen Psyche. Und er watscht dabei auch gleich noch die Weltbevölkerung ob ihres Voyeurismus mit ab. Nicht nur die Opfer im Thriller bekommen ihr Fett weg, sondern auch die heutige Gesellschaft wird an den Pranger gestellt. Letzteres nicht zu unrecht.

Lieblingssätze: „Hunter spürte ein Ziehen in der Kehle, als er das Gesicht des Mannes betrachtete. Da war keins – keine Nase, keine Lippen, keine Augen.“

_Der TotschlägerIn seinem Büro im PDA erhält Detective Robert Hunter den Anruf eines Unbekannten. Dieser hält ihn dazu an, auf eine ganz bestimmte Website zu gehen. Was sich Hunter und auch seinem Kollegen Detective Garcia hier für ein Anblick bietet, überschreitet die Vorstellungskraft der beiden kampf- und psychoerprobten Ermittler.
Ein Mensch sitzt gefangen in einem Glaskasten. Detective Hunter soll nun auswählen, wie dieser Mensch stirbt. Als die Wahl gefallen ist, müssen Hunter und Garcia entsetzt mit ansehen, wie das Opfer auf perfide Weise brutal getötet wird.
Die Nachforschungen werden sofort eingeleitet. Doch der Täter ist raffiniert und vor allem kennt er sich extrem gut mit Programmierungen und im Cyberspace aus. Weder für die Spezialisten des LAPD noch für die zu Hilfe gerufenen FBI-Hacker ist er zu fassen.
Auch als die Leiche aus dem Glaskasten auftaucht, finden sich daran keinerlei Hinweise auf den Täter oder den Tatort. Hunter und Garcia haben so gut wie nichts, an dem sie ansetzen könnten.
Doch es dauert nicht lange und der Täter meldet sich wieder. Dieses Mal überlässt er nicht Detective Hunter die Wahl der Todesart. Er hat sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Sowohl für sein neues Opfer als auch für seine Zuschauer.

Rasanter Thriller, mit Schwächen im Abgang

Da hat Chris Carter mal wieder ganz tief in der Ekel-Kiste gekramt und sich echt angestrengt, um besonders bestialisch die Opfer vom Leben zum Tod zu  befördern. Respekt. Gleich auf den ersten Seiten bekommt der Magen des geneigten Lesers die Möglichkeit ausgiebig zu rebellieren und die Gesichtsfarbe darf von einem gesunden Rosa zum grünlichen Übelkeitsvorboten mutieren.
Der Thriller ist recht rasant und es geht ordentlich zur Sache. Schwache Nerven haben hier definitiv nichts zu suchen. Und am besten auch kein voller Magen. Man liest das Buch also lieber nicht nach dem Essen. Vielleicht davor, wenn man Diät machen möchte. Man sollte es auch nicht unbedingt vorm Schlafen lesen. Das könnte schlechte Träume geben. Sofern man überhaupt schlafen kann.
Die Erläuterungen von Fachbegriffen, bestimmten Abläufen im Police-Department und Infos zu Strukturen bei den Behörden sind löblich und auch verständlich. Wirken jedoch wie ein trockener Vortrag oder aus einem Sachbuch. Die Story, die sich ansonsten flüssig liest, wird dadurch immer wieder mal etwas rüde unterbrochen.

Achtung Spoileralarm
Abgesehen von all den schicken Sachen, die Carter sich hat einfallen lassen, um dem Leser eine Übelkeitswelle nach der anderen zu bescheren, war ich etwa ab der Mitte des Buches in gewisser Weise gelangweilt. Ich fand das Ganze insofern vorhersehbar, da mir irgendwie klar war, dass weder den Detectives noch einem nahen Angehörigen irgendwas passieren wird und es am Ende ein Happy End gibt. Dafür, dass der Täter als so genial und vorausschauend geschildert wird, wirkt es für mich ziemlich platt, dass Hunter und Garcia ihm eben doch auf die Schliche kommen. Ein so begabter Täter hätte seine Rache an Hunter auch bekommen können, ohne dem Detective gegenüber stehen zu müssen.
Erschreckend ist aber neben all den gräslichen Todesarten auch der Seitenhieb auf die heutige Gesellschaft. Nichts ist mehr zu brutal oder eklig, um es nicht ins Internet zu stellen und andere teilhaben zu lassen. Das macht der Täter sich zunutze und lässt die Besucher seiner Website abstimmen, wie das Opfer sterben soll. Sogar als die User wissen, dass es sich nicht um ein Spiel sondern bittere Realität handelt, stimmen sie ab und beobachten dann, wie ein Mensch qualvoll zu Tode kommt. Eine Watsche für die Gesellschaft, die diesem Szenario näher ist, als man wahrscheinlich ahnt.

Der Schluss hat mich also schwer enttäuscht. Da hat Chris Carter mit all den genialen Ideen zuvor im Buch zu hoch gepokert und Erwartungen geschürt, denen er nicht gerecht werden konnte.

Autorenporträt
Chris Carter, geboren 1965, studierte in Michigan forensische Psychologie und beriet viele Jahre die Staatsanwaltschaft. Dann zog er nach Los Angeles, dem Schauplatz seiner Thriller-Serie um Detective Robert Hunter. Chris Carter wurde 1965 in Brasilien als Sohn italienischer Einwanderer geboren. Er studierte in Michigan forensische Psychologie und arbeitete sechs Jahre lang als Kriminalpsychologe für die Staatsanwaltschaft. Dann zog er nach Los Angeles, wo er als Musiker Karriere machte. Gegenwärtig lebt Chris Carter in London. Seine Thriller um Profiler Robert Hunter sind allesamt Bestseller.

Buchinfo
„Der Totschläger“ – Band 5 der Hunter-und-Gacia-Thriller von Chris Carter, erschienen Juni 2014 bei Ullstein
Originaltitel: „One by One“ – Aus dem Englischen übersetzt von Sybille Uplegger
Taschenbuch: Broschur, 464 Seiten, € 9,99, ISBN-13 9783548285764
eBook: Format: ePub, 464 Seiten, € 8,99, ISBN-13 9783843707237

Quellen
Bild: www.ullsteinbuchverlage.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

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