Anja Jonuleit: Der Apfelsammler

Nach dem Tod ihrer Tante Eli, fährt Hannah nach Umbrien, um deren Häuschen zu verkaufen. Aber natürlich kommt alles ganz anders als Hannah denkt und sich vorstellt. Anstatt die Nachlassangelegenheiten schnellstmöglich zu regeln, entscheidet sie sich dafür, in dem alten Haus einige Zeit zu wohnen. Und obwohl sie kaum mit offenen Armen empfangen wird, verliebt sie sich nicht nur in die Landschaft.

Mein Lieblingssatz: „Er saß an einem Flügel und spielte, und seine Finger glitten wie von selbst über die Tasten, mit einer Leichtigkeit wie in einem Traum.“

Der ApfelsammlerNach dem frühen Tod ihrer Eltern, wächst Hannah bei ihrer Tante Eli auf. Die Nachricht vom Tod ihrer Tante trifft sie daher besonders hart. Denn auch Eli war noch nicht so alt. Nun ist es an Hannah das Haus ihrer Tante in Castelnuovo in Umbrien anzusehen und zu entscheiden, was damit geschehen soll.
Endlich am Ziel angekommen, ist Hannah recht entschlossen, das Haus zu verkaufen. Es ist alt und reparaturbedürftig. Im Inneren jedoch ist noch alles so, wie Eli es mit ihrem überraschenden Tod verlassen hat: das Nähzeug, das Geschirr, die Kassette im altmodischen Recorder. Nach einigen Tagen und einigen Gesprächen mit Bekannten ihrer Tante, beschließt Hannah, doch etwas länger zu bleiben. Sie erfährt sowohl Feindseligkeit als auch Freundschaft von den verschiedenen Dorfbewohnern.
Ganz besonders hat es ihr der Apfelsammler angetan. Ein eigenbrötlerischer Mann, der unfreundlich und barsch ist, allein mit seinen Hunden lebt und seine ganze Leidenschaft und Liebe in die Rettung und Zucht alter Apfel- und Birnensorten steckt. Da Eli offenbar eine Freundschaft mit dem abweisenden Mann verband, sucht auch Hannah seine Nähe.
Nachdem Hannah einige Seiten eines geheimnisvollen Briefes findet, in dem Eli ganz offensichtlich ihre Lebensgeschichte erzählt, ist sie auf der Suche, nach dem richtigen Brief. Kann dieser all die Fragen beantworten, die sich Hannah stellt, je länger sie in Castelnuovo zubringt?

Parallel dazu kann man Elis Brief lesen. Sie berichtet von ihrer schweren Kindheit, ihrer ersten großen Liebe und den dramatischen Folgen. Von ihrem Weggang vom Einödhof der Eltern und ihrer Arbeit für das Auswärtige Amt. Vom Wiedersehen mit ihrer großen Liebe. Davon, wie sie schließlich die Verantwortung für die 9-jährige Hannah übernimmt. Und wie sie nach einem ganzen Leben vom größten Verrat überhaupt erfährt.

Insgesamt ein positiver Eindruck

Ich tue mich ein wenig schwer mit der Bewertung. Grundsätzlich hat mich „Der Apfelsammler“ gut unterhalten. Ich mag ja Storys in der Vergangenheit und Gegenwart aufeinander treffen, wo junge Frauen den Spuren ihrer Vorfahren folgen und dabei tragische, romantische und teils dramatische Geschichten aufdecken. So auch hier. Das hat mir auch gefallen. Auch die Story um einen Mann, der alte Apfel- und Birnensorten züchtet, finde ich sehr faszinierend. Und von der Aufmachung her, mag ich sowohl das Cover als auch den optischen Unterschied in Form verschiedener Schriftarten der Erzählungen von Eli und Hannah. Generell hinterlässt die Lektüre also einen positiven Eindruck.
Und jetzt kommt das Aber: ich konnte mich dieses Mal so gar nicht mit der Protagonistin Hannah identifizieren oder sie sympathisch finden. Ihre Ungeduld und Neugierde, ihr permanentes verletzen der Privatsphäre, die Rumschnüffelei im Privatleben anderer, gingen mir immer wieder gegen den Strich. Dazu kommen noch kleine Ungereimtheiten, die mir im Kopf rumgeistern, und die man meiner Meinung nach hätte besser auflösen müssen.
Sehr gefallen haben mir hingegen die Abschnitte mit Elis Brief. Sie stand mir sehr viel näher als ihr Mündel und Elis Beweggründe habe ich deutlich besser verstanden als die von Hannah.
Wie bereits gesagt, hinterlässt „Der Apfelsammler“ durchaus einen positiven Eindruck, weswegen ich das Buch auch gern weiter empfehle. Dass Hannah nicht mein Fall ist, ist ja nicht die Schuld der Autorin.

Autorenporträt
Anja Jonuleit wurde in Bonn geboren, lebte einige Jahre im Ausland und studierte Italienisch und Englisch. Sie arbeitete als Übersetzerin und Dolmetscherin, bis sie anfing, Romane und Geschichten zu schreiben. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Friedrichshafen.

Buchinfo
„Der Apfelsammler“ von Anja Jonuleit, erschienen Juli 2014 bei dtv premium
Taschenbuch: 368 Seiten, € 14,90, ISBN 978-3-423-26017-6
eBook: Format: ePub, 304 Seiten, € 12,99, ISBN 978-3-423-42307-6
Format: pdf, 304 Seiten, € 12,99, ISBN 978-3-423-42306-9

Quellen
Bild: www.dtv.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

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2 Gedanken zu “Anja Jonuleit: Der Apfelsammler

  1. Pingback: Anja Jonuleit: Rabenfrauen | Wortgestalten

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