J. Hayers / F. Achterwinter: Schnall Dich an, sonst stirbt ein Einhorn!

Kindererziehung ist ein heikles Thema. Während die einen Eltern ein strenges Regiment führen, geht es in anderen Familien lockerer zu oder man lässt dem Nachwuchs gleich seinen Willen. Dass es mit einem Verweis auf die zwischenzeitlich berühmte stille Treppe in den meisten Fällen längst nicht getan ist, weiß wohl jeder, der Nachwuchs hat. In „Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn“ werden vornehmlich kreative, ungewöhnliche und vor allem nicht immer legale und ethisch vertretbare Erziehungstipps gezeigt.

_Schnall dich an, ...Die kleine Pia (5) will sich nicht anschnallen. Wann immer Mama Maria mit dem Töchterchen im Auto wegfahren will, weigert diese sich den Gurt anzulegen. Sämtliche „Warum?“-Fragen des Kindes wurde zunächst geduldig mit logischen und vernünftigen Argumenten und Erklärungen begegnet. Als das nichts fruchtet platzt es aus Mama Maria heraus: „Wenn Du Dich nicht anschnallst, dann stirbt ein Einhorn!“ Das beeindruckt Pia und ohne weitere Fragen legt sie den Gurt an. Ja, das Kind wurde angelogen. Schamlos.
Eine etwas größere Lüge denkt sich Angela für ihren 15jährigen Sohn Christian aus. Der schließt nämlich nie die Haustür ab. Trotz einer Einbruchserie im Ort und entgegen der vielen inständigen Bitten und Ermahnungen seiner Mutter. Nachdem Angela wiederholt nicht die Tür abgeschlossen hat, kommt er eines Tages nach Hause und die Bude ist ausgeräumt. Sämtliche elektronischen Geräte die hauptsächlich dem Zeitvertreib des Teenagers dienen, wurden geklaut. Der Schock sitzt tief. Erst nach einer gewissen Einwirkzeit gesteht die Mutter, der Einbruch und Diebstahl sei von ihr fingiert gewesen – alles sei noch da. Ab sofort gelobt der Filius Besserung.
Kerstins Kinder Lotte (4) und Matteo (8) sind laut und ungehorsam. Vor allem in der Öffentlichkeit. Dieses Mal haben sie sich den Bus ausgesucht, um herum zu toben. Als Kerstin sie wieder eingefangen hat, kommt der gestressten Mutter eine Idee. Sie zieht die eben für die Kinder gekauften Süßigkeiten aus der Tasche. Der Nachwuchs freut sich schon auf weitere Energiezufuhr für den nächsten Tumult. Doch die schlaue Mutter bietet stattdessen jedem Fahrgast im Bus etwas an als Entschuldigung für die lärmende Brut. Natürlich greifen die Fahrgäste zu. Lotte und Matteo schauen entsetzt auf die immer weniger werdenden Süßigkeiten und bleiben ab sofort ruhig.
Der 16jährige Glenn hinterlässt überall Graffitis. Dass er damit fremdes Eigentum beschmutzt und beschädigt ist im egal. Auch dass er eine Straftat begeht. Seine Eltern wollen ihr Kind natürlich nicht mit einer Jugendstrafe in die Welt schicken. Alle Worte indes sind vergebens. Also müssen Taten sprechen. Als Glenn am nächsten Morgen seinen Roller sieht, flippt er aus. Pink und Lila, einfach kunterbunt ist der besprüht. Der Junge ist entsetzt. Da hat doch tatsächlich so ein Idiot sein Eigentum verschandelt und besudelt. Die Lösung: Die Eltern haben sich mit Muttis Faschingshaarspray nachts am Fahrzeug des Sohnes zu schaffen gemacht und das Gefährt verschönert. Der Schock hat gesessen. Und mit dem nächsten Regen, war die Farbe auch wieder weg.
Ob ein Kind, das sich beim Einkaufen vom Wechselgeld immer etwas abzweigt oder ein Teenie, der sein Zimmer nicht aufräumen will. Ob der Nachwuchs heimlich immer Horrorfilme schaut oder ohne ersichtlichen Grund keinen Reis isst. Für all diese und viele Fälle mehr haben die jeweiligen Mütter oder Väter eine kreative Methode gefunden, um ihn oder sie wieder auf die rechte Bahn zu locken. Mal mehr mal weniger erfolgreich.
Zunächst wird in jedem Fall die Ausgangssituation geschildert. Im Anschluss folgt dann die Beschreibung der Erziehungsmaßnahme und ggf. ihre Wirksamkeit.

Anregungen für die Kindererziehung

Ich finde das Buch klasse. Es ist natürlich kein Ratgeber. Aber ich denke, der ein oder andere Elternteil kann sich hier vielleicht eine Anregung holen, um seinem Nachwuchs ebenfalls etwas beizubringen. Es zeigt, dass Fantasie und ungewöhnliche Aktionen in Sachen Kindererziehung durchaus lohnend sind. Wenn die herkömmlichen Methoden nicht funktionieren, muss man sich halt etwas einfallen lassen.
Die Lektüre ist kurzweilig und sehr unterhaltsam. Ich habe viel gelacht und geschmunzelt. Ob man die teilweise sehr ungewöhnlichen Ideen nun gutheißt sei dahin gestellt. Es zeigt jedenfalls, dass den Eltern der Nachwuchs nicht egal ist und sie sich um ihn bemühen. Und wenn das Buch mehr Eltern zu kreativeren Erziehungsmethoden anregt, dann finde ich das keine schlechte Sache.
Ganz klar, das Buch ist nicht nur für Eltern geeignet, sondern jedem zu empfehlen.

 

Autorenporträts
Johannes Hayers, 41, arbeitete früher in der Marktforschung und der Unternehmenskommunikation und schreibt heute für Hörfunk und Fernsehen. Er lebt in einer Partnerschaft, hat vier Nichten, vier Neffen und wohnt in Düsseldorf.

Felix Achterwinter, 42, schrieb früher Kolumnen für verschiedene Zeitungen in England und Deutschland und arbeitet heute im Bereich Medienforschung. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Bonn.

Buchinfo
„Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn! 100 nicht ganz legale Erziehungstricks“ von Johannes Hayers und Felix Achterwinter, erschienen Dezember 2014 bei rororo
Taschenbuch: 256 Seiten, € 9,99, ISBN 978-3-499-62872-6
eBook: Format: ePub, 256 Seiten, € 9,99, ISBN 978-3-644-52451-4

Quellen
Bild: www.rowohlt.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

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