Gert Eckel: Sie nennt es weggehen

Die letzten Wochen und Monate will Gert Eckel mit seiner Partnerin Hannah so bewusst wie möglich erleben. Sie ist an Krebs erkrankt, eine Heilung nicht möglich. Hannah möchte selbst entscheiden wann sie geht. Die Ereignisse der letzten Wochen und Tage hält Gert Eckel schriftlich fest.

_Sie nennt es weggehenNach dem Tod seiner ersten Frau findet Gert Eckel mit der um einige Jahre jüngeren Hannah wieder eine vertrauensvolle Partnerin. Doch dem glücklichen Paar ist nicht viel Zeit gegeben. Hannah ist bereits vor dem Kennenlernen an Krebs erkrankt. Sie wird operiert. Zwei Jahre später werden Metastasen in ihrem ganzen Körper festgestellt. Eine Chemotherapie und Morphium können lindern, aber nicht heilen. Es bleiben wenige Monate, Wochen. Hannah ist gerade mal Mitte 40.
Hannah möchte nicht im Krankenhaus bleiben, sondern bei Gert in seinem Haus sein, das auch seit kurzem auch ihr Zuhause ist. Sie möchte auch selbst entscheiden wann sie geht. Dafür hat sie vorgesorgt. Schwer ist aber die Entscheidung wann tatsächlich der Zeitpunkt für ihr Sterben gekommen ist.
Gert begleitet seine Freundin tapfer auf ihrem schweren Weg. Gemeinsam mit Freunden und Familie macht er ihr Leben so angenehm wie möglich. Um selbst die Situation zu verarbeiten, schreibt er alles auf: über ihr Leben, sein Leben, ihr Kennenlernen und die kurze gemeinsame Zeit.

Erstaunlich unberührt

Eigentlich ist das Buch und sein Thema genau mein Fall: Ein Schicksal, dass das Herz anrührt, auf die Tränendrüse drückt und Mitgefühl provoziert. Doch die Lektüre hat mich erstaunlich unberührt gelassen.
Das Buch ist voller poetischen Sprache, gefühlvoller Worte, Abschiedsszenen, großen und kleinen Gefühlsbekundungen von Freunden und Bekannten. Eine Lobpreisung der Sterbenden und ihrer guten Taten. Und doch hatte ich keinerlei nennenswerte Emotionen beim Lesen.
Vielleicht … hoffentlich ergeht es anderen Lesern anders.

Buchtipp gefällig? „An jedem neuen Morgen“ von Roger Rosenblatt

Autorenporträt
Gert Eckel, 71, ist ein in Berlin weithin bekannter und einflussreicher Architekt, dessen Entwürfe mehrfach preisgekrönt wurden. „Sie nennt es weggehen“ ist neben einem Architekturbuch, das im Selbstverlag erschienen ist, das erste erzählerische Buch des Autors.

Buchinfo
„Sie nennt es weggehen. Tagebuch eines selbstbestimmten Sterbens“ von Gert Eckel, erschienen Oktober 2014 bei Pattloch
Hardcover: 208 Seiten, € 16,99, ISBN: 978-3-629-13055-6
eBook: 208 Seiten, € 14,99, ISBN: 978-3-629-32074-2

Quellen
Bild: www.droemer-knaur.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

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2 Gedanken zu “Gert Eckel: Sie nennt es weggehen

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