Es geht los: Der erste Eindruck

Ich starte am Montag in der Früh. Im Flugzeug sitze ich am Fenster und überstehe den Start sogar ohne Darth-Vader-Schnappatmung. Will heißen, ich habe keine Panikattacke. Ich kann stundenlang kleine weiße Wölkchen über blauem Wasser angucken. Bei der Sichtung von Land zückte ich sofort die Digitalkamera und machte Bilder von dem doch sehr kargen Eiland unter mir. Dass ich dabei nicht wie vermutet Teneriffa knipste sondern Lanzarote, bemerkte ich erst als die Durchsage kommt, man könne jetzt vorne rechts schon den Teide sehen. Also knipse ich den dann.

Die Hotelanlage des H10 Costa Adeje Palace

Die Hotelanlage des H10 Costa Adeje Palace

Mein Hotel in der Nähe von Adeje ist das Letzte in einer Reihe von vielen Hotelanlagen. Danach kommt eigentlich nur noch unerschlossenes Bauland – was scheinbar nicht mehr lange so bleiben würde. Einige hundert Meter weiter gibt es noch einen kleinen Fischerort.
Das Hotel macht einen soliden und gepflegten Eindruck. Es ist ziemlich groß. Das erste was ich beim Eintreten sehe, sind riesige frische Blumengestecke mit Strelitzien. Für sowas bin ich ja sehr empfänglich. Die Eingangshalle ist ohnehin sehr groß. Geradeaus ein Springbrunnen in einem kleinen Teich. Dahinter kann ich durch eine große Glasfront in den Hotelgarten sehen und noch weiter hinten grüßt freundlich und blau der Atlantische Ozean. Links eine große Bar mit einem Lounge-Bereich. Rechts die Rezeption.
Ich werde in mein Zimmer geführt. Ganz hinten. Ganz unten. Neben dem Lift und dem Personaleingang mit Blick auf den Parkplatz mit Mülltonnen. Am nächsten Tag werde ich morgens gegen 5 Uhr vom Getöse der Müllwagen geweckt. Daraufhin erbitte ich mir ein anderes Zimmer. Ich will mich nicht den ganzen Urlaub über ein schlecht gelegenes Zimmer ärgern, also lege ich noch etwas Kohle drauf und bekomme am gleichen Tag ein anderes Zimmer. Größer (was es nicht unbedingt gebraucht hätte), heller (was durchaus wünschenswert war) und im Erdgeschoss mit Blick auf die schöne Hotelanlage und sogar einem Stück Meer (was definitiv urlaubsgerechter war). Eine deutliche Verbesserung. Und im Nachhinein eine doppelt so gute Entscheidung. Nach dem Urlaub erfuhr ich aus einer Hotelbewertung im Internet, dass bei einer jungen Frau in einem ähnlichen Zimmer Richtung Parkplatz eingebrochen und sie bestohlen wurde. Glück gehabt.

Beeindruckend wie die Wellen sich brechen

Beeindruckend wie die Wellen sich brechen

Der Atlantik flößte mir Respekt ein

Die Hotelanlage ist schon schick. Die Gebäude mit den Gästezimmern sind in Hufeisenform angelegt. Sie umschliessen den großzügigen Pool, die Terrassen mit den vielen Liegestühlen und die Gartenanlage. Da sind saftig-grüne Rasenflächen, traumhaft blühende Oleanderbüsche in weiß und rosa, eine Steinwand mit Wasserfall und sogar frei wachsende Strelitzien. Das Hotel liegt tatsächlich direkt am Strand. Allerdings getrennt durch einen Zaun, dessen Tor man nur mit der entsprechenden Gästekarte des Hotels benutzen konnte. Ich muss also immer so eine lästige Karte mit mir rumschleppen. Irgendwas ist ja immer. *g*
Der Strand direkt vorm Hotel besteht aus glatt geschliffenen Steinen etwa Hühnerei-groß. Da dieser Teil noch nicht erschlossen ist, gibt es keine Liegen oder Sonnenschirme. Grundsätzlich hab ich damit kein Problem, weil ich so lange ja ohnehin nicht am Strand rumliegen würde. Aber wenn ich da bin, fehlt mir doch ein schattiges Plätzchen. Denn durch den permanenten angenehmen Wind, ist die Sonne recht heimtückisch.
Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen im Atlantik zu baden. Das mit dem Schwimmen ist mir dann nach ein paar Zügen aber doch zu heikel. Obwohl ganz gut in Form zum damaligen Zeitpunkt, bin ich ein Schisser. Der Atlantik hat mir in seiner Unberechenbarkeit ziemlich Respekt eingeflößt. Dank des steinigen Grundes hatte man keinen sicheren Stand. Was für mich einmal beim Verlassen des Wassers mit einem Schreck verbunden war. Mit dem Schwung der Wellen Richtung Strand bin ich im ersten Moment ganz gut gefahren. Leider hat der ebenso kräftige Sog zurück in Richtung Meer mich von den Füssen gerissen und ein Stück wieder rausgezogen. Um mich gleich im nächsten Moment wieder unsanft zum Strand zu schieben, wo ich ebenso unsanft über die Steine schürfe. Ich habe das damals insofern als doch recht dramatisch empfunden, als ich die Kraft des Wassers unterschätzt habe. Wenn diese verhältnismäßig kleinen Wellen mich schon so rumschieben, wie muss es dann bei einer 3-Meter-Welle oder erst bei einem Tsunami sein? Klar, einen Tsunami hatte ich nicht zu erwarten. Der Respekt vor dem unberechenbaren Meer war (und ist) trotzdem da.

Die Spanien hinken hinterher

Der Strand direkt vorm Hotel.

Der Strand direkt vorm Hotel.

Beim Nachmittäglichen Begrüssungstreff mit der Reiseleitung erlebe ich dann eine freudige Überraschung. Zwischen all den Informationen zum Hotel, den Ausflugsmöglichkeiten und sonstigem Wissenswertem, erfahre ich, dass die Spanier sozusagen eine Woche hinterher hinken. Zumindest was die Feiertage angeht.
Im Reiseführer hatte ich von einem schönen Brauch zu Fronleichnam – oder Corpus Christi, wie es hier heißt – gelesen. Dabei werden auf den Straßen der Stadt La Orotava riesige Bilder aus bunten Blütenblättern und Sand gezeichnet. Ich flog jedoch an dem Montag nach Teneriffa, als in Deutschland dieser Feiertag gerade vorbei war. Die Überraschung bestand darin, dass Fronleichnam auf Teneriffa noch bevor stand und genau während meines Aufenthaltes gefeiert würde. Als ich das hörte, freue ich mich sehr.
Bei der Reiseleitung buche ich gleich noch zwei Ausflüge: den heißersehnten Besuch im Loro-Parque und dazu noch eine Jeep-Safari nach La Gomera, wo ich auf die Bezeichnung „Besuch im Regenwald“ anspringe. Es gibt halt offenbar unterschiedliche Auffassungen von „Regenwald“. Meine und die des Reiseveranstalters. Aber dazu später mehr.
Den Rest des Tages verbringe ich mit einer anderen jungen Frau, die ebenso allein reist wie ich. Wir gehen an einem ruhigen Strandabschnitt baden. Im nahe-gelegenen Supermarkt fülle ich meine Snack- und Wasservorräte für meine Ausflüge in den kommenden Tagen auf.
Die erste Mahlzeit am Abend ist ein wenig verwirrend. Ich habe zwar ganz bewusst kein All-Inclusive gewählt, aber das ich zum Abendessen nicht mal ein Wasser oder ein anderes Freigetränk bekomme, das hat mich ehrlich gesagt … ähm… überrascht. Um den Überblick über die Verpflegungskosten im Hotel zu behalten, sammle ich also fortan alle Getränkebelege. Nicht damit mich am Ende des Urlaubs doch noch der Schlag trifft.

Verhungern geht nicht

Stärkendes Frühstück: Brötchen, Seranoschinken, Pfannkuchen mit Soße, Kaffee, Puffbrause, diverse frische Säfte ... wer da nicht satt wird...

Stärkendes Frühstück: Brötchen, Seranoschinken, Pfannkuchen mit Soße, Kaffee, Puffbrause, diverse frische Säfte … wer da nicht satt wird…

Was jedoch die Auswahl des Essens angeht, da kann man definitiv nicht meckern. Wer doch gemeckert hat, bei dem ist Hopfen und Malz verloren. Ich schwöre. Neben einer großen Salattheke mit bereits fertigen Salaten und einzelnen Rohkost-Bestandteilen sowie Dressings, gibt es jeden Abend Suppe, ein fertiges Fleischgericht, ein fertiges Fischgericht, kleine Kanarische Kartoffeln (yummi!) und Gemüse. Dazu die unvermeidbaren Pommes und Pizza. An einer separaten Theke werden verschiedene Nudelsorten mit verschiedenen Soßen angeboten und frisch zubereitet, es werden nochmal zwei verschiedene Fleischsorten und auch zwei verschiedene Fischsorten (die jeweils täglich wechselten) frisch gegrillt. Es gibt einen Braten, es gibt Brot, es gibt Aufschnitt. Für den Nachtisch stehen frisches Obst sowie Desserts bereit. Man kann also nicht verhungern.
Das Frühstück ist genauso reichhaltig, wie ich am nächsten Tag feststelle. Verschiedene Brotsorten und Brötchen, frische Pfannkuchen mit vier Soßen zur Auswahl, Wurst- und Käse-Aufschnitt, Müsli, Joghurt, Quark, Früchte. Es gibt frischen Melonen-, Papaya-, Bananen- und Orangensaft, dazu kann man sich schon den ersten Sekt gönnen, natürlich Kaffee. Ach ja, Schinken und Rührei/Spiegelei nach Wahl und gekochte Eier gibts auch noch. Dazu noch eine große Obstauswahl, bei der man sich auch mal was für den Tag einstecken kann. Also nochmal: man kann nicht verhungern! Und die Auswahl ist riesig! Was die Urlauber erwartet haben, die sich in der Online-Hotelbewertung übers Essen beschwert haben, kann ich beim besten Willen nicht verstehen.

Es gibt so viel zu sehen!

Blick auf den Teide im Abendlicht

Blick auf den Teide im Abendlicht

Zum Abschluss des ersten Tages spaziere ich am Abend alleine die ewig lange Promenade entlang. Die beginnt an meinem Hotel und ist kilometerlang. Gesäumt auf einer Seite vom Meer und der anderen Seite von Hotelanlagen, die irgendwann von Lokalen und Wohnhäusern abgelöst werden. Die Küste ist ganz unterschiedlich. Felsen wechselten sich mit kleinen Sandstrandabschnitten ab. Es gibt so viel zu sehen.  Ich laufe bis ich an einem Touristenzentrum ankomme, wo die üblichen Souvenirstände, Bars und Läden geöffnet haben. In einem davon erstehe ich einen blassrosa Sonnenhut und in einem anderen eine billige Schwimmbrille für meine Badeausflüge.
Der Rückweg erweist sich gefühlt länger als der Hinweg – jetzt ist das ganze ja nicht mehr so neu. Als ich im Hotel wieder ankomme, bin ich ganz schön müde. Die Aufregung um den ersten Urlaubstag und die Vorfreude auf die weiteren Erlebnisse, lassen mich ganz schnell einschlafen.

 

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