Anstatt MoFra: Galionsfigur mit Brautstrauß

Da ich die wöchentliche Montagsfrage von Svenja aka Buch-Fresserchen nicht wirklich beantworten kann (Welches Buch hast Du Dir zuletzt gekauft? Keinen blassen Schimmer, weil viel zu lange her.), gibt es heute Geblubber aus meinem Real-Life. Und manche Szene ist wie aus einem Film.

Dank meines nicht-vorhandenen Ehrgeizes bin ich noch immer in BaWü sesshaft und kam in den Genuss des Fronleichnam-Feiertags. Das bedeutete in der vergangenen Woche wieder mal ein langes Wochenende. Für Samstag war ich zu einer Hochzeit eingeladen. Und wo könnte man besser Hochzeit feiern als in einem Schloß am See?!
Ich machte mich also am freitäglichen Brückentag auf zum Bodensee, um den Fahrtstress nicht am Samstag unmittelbar vor der Hochzeit zu haben. Gemäß den gängigen Urlaubsratgebern habe ich bereits die Anreise zu einem Ereignis gemacht. Mit dem Fernbus schon am Morgen nach Konstanz und dann in zwei Etappen mit dem Schiff über den Bodensee bis nach Nonnenhorn schippern. Dabei habe ich mir vorn am Schiff so richtig schön, den Fahrtwind um die Nase wehen lassen. Das hat so viel Spaß gemacht, dass ich demnächst zur Galionsfigur umschule. Ich beabsichtige, mich als freie Mitarbeiterin an den Bug von jedem Schiff zu stellen, dass aufs Meer fährt und mich bezahlt. Denn so schön der Bodensee auch ist, Meerluft zu atmen, von Gischt umweht werden und das Salz auf der Haut spüren ist nochmal deutlich reizvoller für mich. Mehr als zwei Stunden hab ich also bei schönstem Wetter ein Praktikum als Galionsfigur gemacht. Ich wurde dafür nur mit einem mäßigen Sonnenbrand belohnt.

Mein Hotel Seehalde im Zielort war schließlich auch nur einen Katzensprung vom Schiffsanleger entfernt. Sehr erfreulich  bei den Temperaturen. Also rein ins Zimmer. Und gleich wieder raus, weil der See rief. Eine kurze Abkühlung und eine Verschnaufpause am Ufer, bevor es am frühen Abend zum Essen mit dem Brautpaar und einigen anderen Gästen ging, die ebenfalls schon angereist waren. Im Fisch-Restaurant Schwedi in Langenargen, direkt am See gelegen (das überraschenderweise nicht mal der Taxifahrer kannte) gab es leckeres Essen und nette Unterhaltung. Die letzten Fragen wurden geklärt und in der Abenddämmerung boten wir dann das reich gedeckte Buffet für die örtlichen Mücken.

Mein Hotelzimmer war später glücklicherweise Mückenfrei. Andererseits war es das typische Arschkarten-Einzelzimmer. Direkt neben der Treppe an der Außentür, stickig und ohne Balkon oder nennenswerte Aussicht. Aber es war sauber und eigentlich braucht es auch nicht mehr, weil ich da ja nicht so viel Zeit verbringen wollte. Samstag bin ich dann wegen des zu erwartenden langen Tages länger im Bett geblieben. Was nur heißt, dass ich statt wie üblich am Wochenende 7.15 Uhr erst 7.59 Uhr aufgestanden bin. Das Frühstück im Hotel hat mich aber entschädigt.
Ich  bin generell kein großer Obstesser und Obstsalate reißen mich also nicht unbedingt vom Hocker. Zumal in der Regel so ein Frühstücks-Buffett-Obstsalat aus wenig mehr als Äpfeln-aus-der-Umgebung, billigen Bananen, ebenso günstigen Weintrauben und Dosenananas besteht. Nicht so im Hotel Seehalde. Ja, in deren Obstsalat sind auch Äpfel, aber keine Bananen und auch keine Weintrauben. Stattdessen drei verschiedene Sorten Melone, frische Ananas, Kiwi und Maracuja habe ich auch ausgemacht. Schön frisch und bunt und lecker. Da habe ich gerne zugegriffen. Und separat gab es auch noch eine Schale nur mit klein geschnittenen frischen Erdbeeren. Ganz zu schweigen von Brötchen, dem üblichen süssen und herzhaften Belag, einem leckeren Kuchen und natürlich Müsli und Joghurt. Dementsprechend habe ich es mir gut gehen lassen.
In meinem Hotel waren noch zwei weitere Hochzeitsgäste einquartiert. Wir bildeten also sinnvollerweise eine Fahrgemeinschaft. Nach ein wenig Aufregung waren wir dann auch pünktlich zur Stelle. Der Pfarrer kam mir persönlich zwar so vor, als hätte er vorher noch schnell was illegales geraucht, aber ich musste ja auch nicht vorne stehen und ernst bleiben. Der Dudelsackpfeiffer schließlich hat mir mit seinem Amazing Grace dann doch noch eine gerührte Träne abgerungen. Ansonsten blieb es in der Kirche verhältnismäßig trocken. Vor dem Gotteshaus die romantische weiße Kutsche mit vier Pferden, die entsprechend gewürdigt sprich entzückt umringt wurden von den Gästen.

Während das Brautpaar sich im offenen Wagen durch Langenargen schaukeln ließ, machte sich die Hochzeitsgesellschaft auf den Weg zum Schloss Montfort am See. Nach Ankunft von Braut und Bräutigam gab es einen Sektempfang auf der Dachterrasse. Im prallen Sonnenschein konnte man sich bei Sekt/Hugo/Bier und Blick auf den See einen Sonnenbrand und den ersten Schwipps holen. Die in der Kirche gereichten Fächer erfreuten sich großer Beliebtheit und wurden zahlreich genutzt. Sehr nette Idee.

Um es ein wenig abzukürzen: die Hochzeit war klasse! Die Braut im weißen Kleid eine schöne strahlende Prinzessin, der Bräutigam elegant im Anzug. Die Location war natürlich der Hammer. Der Saal war schön hergerichtet, aber nicht mit zu viel Schnickschnack. Auf den Tischen lagen Einweg-Fotoapparate, damit die Gäste knipsen konnten wie in alten Zeiten. Und was ich besonders hübsch fand, es gab auch Puste-Fix auf jedem Tisch. Halt in einer eleganteren Form in Reagenzglasgröße. Die Blumendeko war schlicht in weiß und rot gehalten und 5-armige-Kerzenleuchter brachten Romantik ins Spiel. Das 4-Gänge-Menü zog sich über den ganzen Abend, was ich zunächst etwas skeptisch sah. Aber zwischen den Gängen war immer wieder Zeit sich auf der Terrasse die Beine zu vertreten, es wurden Reden gehalten und kurzweilige Spiele gespielt. Natürlich haben wir Luftballons steigen lassen. Jemand hatte die nette Idee, Postkarten zu beschreiben und dem Brautpaar wöchentlich eine davon zu schicken. Eine Verlosung sorgte dafür, dass in den kommenden 12 Monaten immer wieder jemand dem Brautpaar etwas spendiert oder mit dem Paar etwas unternimmt. Ich bin im nächsten März zum Beispiel für ein Fondue zuständig. Diese Idee fand ich auch sehr schön. Ich bemerkte also gar nicht richtig wie die Zeit verging. Zumal das Essen auch sehr lecker war, die Portionen nicht zu groß, so dass man auch nicht überfressen war. Spätestens beim Dessert hat sich jeder der noch richtig Hunger hatte den Bauch vollschlagen können.
Zwischendurch gab es einen ziemlichen Sturm und der Bodensee hat ganz schön Wellen geschlagen. Wir durften zeitweise auch nicht mehr auf die Terrasse, was zu späterer Stunde und mit besserem Wetter glücklicherweise wieder revidiert wurde. Leider sorgte das aber auch dafür, dass die Hochzeitsgesellschaft sich nach dem Essen teilte. Ein Teil saß draußen und rauchte und nur ein geringer Teil war drinnen und nutzte die Tanzfläche. Das fand ich persönlich etwas schade.
Am späten Abend folgte dann, was ich gern ausgelassen hätte. Alle Single-Damen wurden auf die Tanzfläche gebeten. Ich habe mich dem gesellschaftlichen Druck gebeugt und mich wenigstens mit hingestellt, war aber fest entschlossen, die Hände nicht nach dem Brautstrauß auszustrecken. Hätte mein Kleid Taschen gehabt, hätte ich die Hände darin vergraben. (Ihr ahnt worauf das hinausläuft, oder?) Es waren genügend andere ledige Frauen anwesend – ca. 10 – die das Ding fangen konnten. Die Braut warf, ich verfolgte die Flugbahn, sah die vielen ausgestreckten Hände der anderen … und zack … bekam den Brautstrauß an den Kopf. AN. DEN. KOPF. Voll auf die Zwölf.
Ich wiederhole das nur noch mal: 10 Weiber um mich rum, recken sich nach diesem – tatsächlich sehr schönen Blumenstrauß – und ich steh unbeteiligt da und kriege das Ding an den Schädel geworfen. Und ich dachte noch ´Ich hab ihn ja nicht gefangen, also zählt es nicht`. Leider haben das die anderen nicht gelten lassen, sondern mir den Strauß einfach in die Hand gedrückt und sich wie blöde gefreut. „Hihi, Du bist die Nächste.“ *kicherkicherkicher*
Ich möchte an dieser Stelle einfach mal erwähnt haben, dass ich Single bin. Schon länger. Mit vielen Ansprüchen. *hust* Eine Hochzeit ist also nicht abzusehen.
Später sagte jemand zu mir „So wie der Strauß Dich getroffen hat, so wird Dich auch die Liebe treffen.“ Das war lieb gemeint, aber klingt so fürchterlich kitschig, dass ich erst denke ´Würg` und dann ´Fällt mir also der Mann auf den Kopf oder haut mir demnächst ein Typ Blumen um die Ohren?`
Aber die Story ist trotzdem witzig. Und ja, ein wenig freue ich mich auch, dass ich den schönen Strauß habe – gerade weil er nicht gewollt war. Mit den zukünftigen Fragen nach meinem Hochzeitstermin werde ich halt leben müssen. Und es ist eben eine hübsche Anekdote. Wie viele Frauen werden schon von einem Brautstrauß angegriffen?! Ob es davon allerdings ein Beweisfoto gibt, weiß ich nicht.
Gegen 2 Uhr wurde die Veranstaltung leider beendet. Ich hätte – ebenso wie einige andere – durchaus noch Lust und Ausdauer zum Feiern gehabt, aber ein Großteil der Gäste war bereits gegangen. Und auch vom Schlossbesitzer war das Ende vorgegeben. Im Endeffekt war es ein langer Tag und bis wir uns tatsächlich alle verabschiedet hatten und in die jeweiligen Hotels verschwunden sind, ist auch noch mal ne Stunde rumgegangen. Es war also bereits halb 4 als ich tatsächlich im Bett lag.
Der Sonntag begann für mich zu früh. Länger als 8 Uhr konnte ich nicht schlafen. Immerhin habe ich mich noch eine halbe Stunde lang hin und her gedreht bis ich dann doch aufstand. Ein leckeres Frühstück mit den anderen beiden Hochzeitsgästen in meinem Hotel und ein paar Postkarten schreiben und dann mussten wir schon auschecken. Wir haben uns noch ein paar Stunden im Strandbad gegönnt und anschließend auch ein Eis. Und erst am Nachmittag ging es zurück nach Stuttgart. Freundlicherweise musste ich nicht den Fernbus nehmen, sondern habe eine nette Mitfahrgelegenheit bei einem Hochzeitsgast gefunden. So war die Rückfahrt dann auch recht kurzweilig.
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