Einmal durch den Nationalpark, bitte

Beim heutigen Frühstück entdecke ich, dass ich mir noch vor dem ersten Brötchen eine Pulle Puffbrause hinter die Binde kippen könnte. Gleich zwei Sorten Sekt stehen zur Auswahl. Ich entscheide mich aber erst mal gegen beide und wähle einen schnöden Kaffee. Denn gleich hole ich meinen Mietwagen ab und erkunde selber die Insel. Da sollte ich vielleicht nicht unbedingt mit einer Fahne beim Autovermieter auflaufen.
Drei Tage lang kann ich mit meinem Gefährt herum kutschieren und halten wo es mir passt. Für jeden Tag habe ich mir eine andere Tour ausgesucht: Einmal obenrum, einmal untenrum und einmal mitten durch.
Heute ist „mitten durch“ dran. Das heißt es geht in den Nationalpark und auf den Pico del Teide. Der Nationalpark um den höchsten Berg Spaniens ist grandios! Er ist sogar Weltnaturerbe. Kann ich gut verstehen.

Über den Wolken … *sing*

Nur eines der vielen Gesichter des Nationalparks

Nur eines der vielen Gesichter des Nationalparks

Zunächst fahre ich mal ein paar Serpentinen hoch. Nach ein paar Höhenmetern befinde ich mich unvermittelt oberhalb der Wolkendecke. Das sieht ziemlich cool aus. Immer wieder bietet sich mir ein toller Blick. Wenn ich auch hier noch auf die Straße und den Verkehr achten muss.
Schließlich bin ich im Nationalpark. Eine anständig asphaltierte Straße windet sich durch verschiedenste Landschaften. Ich komme aus dem Fotografieren gar nicht mehr raus. Hier herrscht wenig Verkehr und ich kann anhalten, wo es mir passt. Oder auch einfach aus dem Auto heraus Bilder schießen, während ich mich im Schneckentempo vorwärts bewege.
Die Natur zeigt sich mir mal als sandige Wüste, umrahmt von Lavagestein und Vulkanen. Dann wieder gleicht sie eher einer grauen Mondlandschaft, um wieder ein paar Meter weiter obskure Fels- und Steinformationen zu präsentieren.
Ich parke an der Talstation der Seilbahn und ziehe mir erst einmal lange Hosen und feste Schuhe an. Pullover, Mütze und Sonnenbrille vervollständigen mein Berg-Ensemble. Klingt übertrieben, oder? Hab ich alles von meiner Mama. Der Berg ist gute 3700m hoch. Ich werde zwar nur bei etwa 3500m sein, aber dort oben ist es frisch, windig und die Sonne wird unbarmherzig scheinen. Ich will weder vor Kälte schlottern im T-Shirt, noch mir einen Mördersonnenbrand holen.

Touristen auf der Flucht

Auf dem Weg zum Aussichtspunkt

Auf dem Weg zum Aussichtspunkt „Mirador de Fortaleza“

Schon die Fahrt mit der Seilbahn bietet tolle Aussichten auf erkaltete Lavaflüsse am Berg. Oben angekommen gibt es für mich nur wenige Möglichkeiten. Ich kann einfach nur auf der Terrasse der Station stehen und gucken oder einen der Wege zu den Aussichtspunkten Mirador de Fortaleza und Mirador Pico Viejo entlang des Berges wandern. Der dritte Weg nach oben zur Spitze ist mir sozusagen verwehrt – dafür benötigt man eine Genehmigung. Die habe ich nicht, aber das wäre mir als ungeübtem Wanderer auch viel zu anstrengend.
Zunächst wende ich mich zum Mirador de Fortaleza. Der Weg besteht aus mehr oder minder befestigten Steinen und ist recht anstrengend. Ich bin dankbar um die festen Schuhe die ich anhabe und frage mich, wie andere Leute in FlipFlops hier entlang laufen können. Ich würde mir die Beine brechen. Am Aussichtspunkt angekommen zeigt sich ein toller Blick. Es sind noch andere Touristen hier. Viele wirken als wären sie auf der Flucht: Ankommen, Fotos machen und sofort wieder umdrehen und abdampfen. Ich beobachte das Treiben, gucke mir die Landschaft an und den ein oder anderen Salamander, der herum flitzt.

Beeindruckend: Der Pico Viejo

Beeindruckend: Der Pico Viejo

Nach einer stärkenden Banane gehe ich wieder in Richtung Seilbahnstation. Und weil ich ja Urlaub und sonst nichts zu tun habe, wandere ich forschen Schrittes gleich weiter zum Mirador Pico Viejo. Hier geht es mehr bergauf und ich muss mein Tempo etwas drosseln. Als mir schwindlig wird, verschnaufe ich erstmal. Bei einem Schluck Wasser wird mir klar, dass die Höhenluft dünner ist, als ich das gewohnt bin. Ergo muss ich auf „Spaziergang“ runterschalten. Damit schaffe ich dann auch noch den Rest des Weges. Am Ende blickt man in den beeindruckenden Schlund des Pico Viejo. Daher der Name des Aussichtspunktes. Das gefällt mir noch besser als das Panorama auf der anderen Seite.

Irgendwann bin ich dann wieder unten an der Seilbahnstation. Ich rufe meine Mama an und berichte von meinem Besuch auf dem Teide und meiner Walsichtung vom Vortag. Einfach so, weil ich es jemandem erzählen muss. Der Nachteil des Allein-Reisens. Nachdem mein Mitteilungsbedürfnis gestillt ist, ziehe ich mir wieder leichtere Klamotten an und fahre weiter.

Hinter der nächsten Kurve ist alles anders

Zauberhaft und leuchtend: Goldmohn

Zauberhaft und leuchtend: Goldmohn

Hinter jeder Biegung bietet sich ein anderer Blick und eine andere Landschaft. Nach unzähligen Stopps zum Fotografieren denke ich mir „Jetzt fährst du mal eine halbe Stunde durch. Du hast ja jetzt schon alles abgelichtet hier!“ Und dann fahre ich um die nächste Kurve und alles sieht schon wieder ganz anders aus. Mir bleibt gar nichts anderes übrig, als anzuhalten und zu knipsen. Erst recht als ich wieder in feuchtere Gefilde komme, wo nicht mehr nur Natternköpfe wachsen, sondern auch andere Pflanzen und Bäume. Der zauberhafte Goldmohn zum Beispiel. Die zarten Blütenblätter leuchten in der Sonne als würden sie brennen.
Der Rückweg ist unspektakulär. Ich nehme eine Straße außerhalb des Nationalparks und bin auch nicht allzu spät wieder in meiner Unterkunft. Eigentlich wollte ich noch die Mondlandschaft in Vilaflor ansehen. Aber ich habe wohl den Wegweiser verpasst, denn ich finde sie nicht. Ich verschiebe das also auf den nächsten Tag.

Da es so viel zu sehen gibt im Nationalpark, werde ich dazu noch eine Galerie online stellen. 🙂

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Ein Gedanke zu “Einmal durch den Nationalpark, bitte

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