Benjamin Cors: Strandgut

Es ist kein rühmlicher Moment in dem Nicolas die von ihm zu beschützende Person niederstreckt. Auf einem roten Teppich. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Wenig verwunderlich wird der seit einigen Jahren aus der Bahn geworfene Personenschützer versetzt. An der Westküste soll er bei den Sicherheitsvorkehrungen für einen Gipfel mitwirken. Dass er gleich am ersten Tag am Strand eine abgetrennte Hand findet, lässt die örtliche Polizei rotieren.

Mein Lieblingssatz: „Die Sonne brach durch die dichte Wolkendecke, und dahinter blickten die grünen Hügel der Cote Fleurie neidvoll auf die Weite des Meeres, die sie nur anschauen, aber nie berühren durften.“

_StrandgutAusgerechnet auf dem roten Teppich schlägt Nicolas Guerlain die Person nieder, die er beschützen soll: den französischen Minister Francios Faure. Und die Weltöffentlichkeit schaut dabei zu. Als Konsequenz wird der junge Personenschützer versetzt.
Im Örtchen Deauville/Trouville soll in Kürze ein Gipfel stattfinden. Hochrangige Politiker aus aller Welt treffen in dem kleinen Badeort zusammen. Nicolas soll der örtlichen Polizei bei den Sicherheitsvorkehrungen für das Großereignis helfen. Seine Begeisterung hält sich in Grenzen, ist Deauville doch seine Heimatstadt, die er viele Jahre nicht besuchte. Genau genommen seit drei Jahren nicht. Seit seine Freundin spurlos verschwand.
Kaum am Ort der Verbannung eingetroffen, findet Nicolas am Strand eine abgetrennte Hand. Auf dem Commissariat erfährt er zudem, dass kürzlich ein alter Fotograf im Meer ertrank. Und nach wenigen Tagen wird am Strand eine Leiche gefunden. Mit beiden Händen.
Die Mitarbeiter im Commissariat wollen Nicolas´ Hilfe nicht bei den Ermittlungen. Genauso wenig wie die Hilfe der neuen Praktikantin Claire. Doch genau die beiden finden immer wieder neue Hinweise und Zusammenhänge, die den anderen verborgen bleiben. Beide machen sich damit nicht sonderlich beliebt.
Dass auch Francios Faure am Gipfel teilnehmen will und dass gegen ihn eindeutige Morddrohungen vorliegen, vereinfacht die Lage für die Polizei und Nicolas vor Ort nicht. Die Sache wächst allen Beteiligten ziemlich über den Kopf.

Überrollt wie eine Welle

Da das Buch „Strandgut“ heißt, sei mir die Metapher gestattet: Es hat mich überrollt wie eine Welle. Schon als ich es ausgepackt habe, konnte ich die Lektüre kaum erwarten, obwohl ich nichts über das Buch wusste. Das Cover hat mich einfach unwahrscheinlich gelockt. Beim Lesen schwankte ich immer zwischen weiterlesen und weglegen. Einerseits die Spannung wie es weiter geht und andererseits die Furcht, das Lesevergnügen gehe viel zu schnell vorbei.
Ich finde das Buch den totalen Knüller. Es hat mich extrem mitgerissen. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite, bin ich beim Lesen regelrecht fiebrig geworden. Die Story steckt voller Tempo und Kraft. Besonders von der Motivation der Täter her, finde ich sie klasse. Für mich nicht das Übliche.
Aus dem Protagonisten Nicolas bin ich leider nicht so richtig schlau geworden. Insbesondere wie er zu den verschiedenen anderen Mitwirkenden steht. Ich bekomme ihn vor meinem geistigen Auge nicht recht zu fassen und so taucht er eher als Schemen, denn als Mensch in meiner Fantasie auf. Da ist noch Luft nach oben.
Ansonsten war ich von Schreibstil und Sprache – vor allem die Beschreibungen von Landschaft und Meer – hingerissen. Immer wieder poetische Kleinode, die mich begeisterten. (siehe mein Lieblingssatz)
Ich freue mich auf einen neuen Fall mit Nicolas Guerlain. Denn die Buchaufschrift „Nicolas Guerlains erster Fall“ lässt auf mehr hoffen. Vorerst aber empfehle ich von ganzem Herzen die Lektüre von „Strandgut“.

Autorenporträt
Benjamin Cors ist politischer Fernsehjournalist und hat viele Jahre für die ARD Tagesschau, die ARD Tagesthemen und den Weltspiegel berichtet. Heute arbeitet er als landespolitischer Korrespondent für den SWR. Er ist als Deutsch-Franzose aufgewachsen und hat die Sommer seiner Kindheit in der Normandie verbracht.

Buchinfo
„Strandgut“ von Benjamin Cors, erschienen Juni 2015 bei dtv premium
Taschenbuch: 432 Seiten, € 16,90, ISBN 978-3-423-26059-6
eBook: 430 Seiten, € 14,99, ISBN 978-3-423-42685-5

Quellen
Bild: www.dtv.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

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4 Gedanken zu “Benjamin Cors: Strandgut

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