S.K. Tremayne: Eisige Schwestern

Sarah und Angus widerfährt das schlimmste Schicksal, das Eltern erleiden können: Eine ihrer beiden Zwillingstöchter Tochter stirbt auf tragische Weise. Der Umzug auf eine einsame Insel soll der trauernden Familie den Neuanfang ermöglichen. Die raue Schönheit des schottischen Eilands soll die Wunden heilen. Stattdessen jedoch wird der Neubeginn ein Alptraum.

Mein Lieblingssatz: „Josh war der Einzige der ihn um seine tote Tochter hatte weinen sehen, einen entsetzlichen, düsteren Abend lang, an dem das Nachtgewächs Qual wilde Blüten getrieben hatte.“

_Eisige SchwesternFast ein Jahr ist es her, dass Sarah und Angus ihre kleine Tochter Lydia begraben mussten. Noch härter trifft deren Tod jedoch ihre eineiige Zwillingsschwester Kirstie. Diese ist plötzlich wie vom Leben abgeschnitten und einsam ohne ihre ständige Begleiterin und Seelenverwandte. Und jede Spiegelung ihrer selbst verwirrt das 7jährige Mädchen zusätzlich.
Sarah kämpft mit Schuldgefühlen und fühlt sich von ihrem Mann Angus allein gelassen. Der ertränkt seinen Kummer in Alkohol. Nachdem er seinen Chef im betrunkenen Zustand schlägt, wird er entlassen. Das Geld wird knapp und das Leben in London für die Familie immer unhaltbarer.
Das Erbe seiner Großmutter scheint die Lösung. Der schottisch-stämmige Angus hat eine kleine Insel vor der Küste von Skye geerbt. Dort gibt es lediglich einen Leuchtturm und ein Haus. Letzteres ist allerdings stark renovierungsbedürftig. Doch die Arbeit bietet auch Beschäftigung und Ablenkung.
Die trauernde Familie bricht also ihre Zelte in London ab und zieht nach Schottland. Vor allem Sarah hofft, dass dort endlich Ruhe einkehrt und ihre extrem verwirrte Tochter gesund wird.
Denn Kirstie behauptet plötzlich vehement sie sei Lydia. Ist Sarah und Angus bei der Identifizierung des toten Kindes ein Fehler unterlaufen? Wie kann das nun noch festgestellt werden? Sarah zieht einen Psychologen zu Rate. Verzweifelt bemüht sie sich ein halbwegs normales Leben zu führen. Doch sowohl die Probleme mit ihrer Tochter als auch das baufällige neue Heim sind große Hürden. Ganz zu schweigen von ihrer eigenen angeschlagenen Psyche und der zunehmend kriselnden Beziehung zu Angus. Denn nach einigen einsamen Inselnächten hat Sarah einen schrecklichen Verdacht.

Viel zu Verwirrend

Vielleicht bin ich einfach nicht (mehr) für solche Thriller geschaffen. Dieser hier war mir auf jeden Fall viel zu verwirrend. Ist Kirstie jetzt Kirstie oder ist Kirstie Lydia? Oder spielt Kirstie nur Lydia? Wenn ja, macht sies mit Absicht oder nicht? Oder ist Lydia nur ein Hirngespinst von Sarah? Oder wie oder was?
Gegen ein wenig Rätselraten ist nichts einzuwenden. Hier wurde das Verwirrspiel allerdings für mich zu sehr auf die Spitze getrieben. Dabei ist der Ansatz an und für sich klasse. Wie stellt man bei eineiigen Zwillingen, mit gleicher DNA zweifelsfrei fest, wer gestorben ist? Gute Frage. Die Umsetzung ist meiner Meinung nach aber nicht gelungen.
Dieses Verwirrspiel und die Geheimniskrämerei des Ehepaares haben mich selber ganz wahnsinnig gemacht. Was für andere Spannung pur ist, war für mich nervig. Zumal ich der Meinung bin der ein oder andere logische Schritt fehlte. Zum Beispiel finde ich es unverständlich, dass Kirstie/Lydia nicht ohnehin in therapeutischer Behandlung ist, nach dem Tod der Schwester.
Ich bin außerdem der Meinung, dass es (mindestens) an zwei Stellen im Buch einen Fehler bgzl. der Namensgebung der Kinder gibt. Wäre das Absicht, wüsste ich nicht, warum das dort eingebaut werden sollte. Der Sinn dahinter erschließt sich mir nicht.
Dazu fand ich auch unklar, über welchen Zeitraum hinweg die Familie überhaupt auf der Insel lebt. Da hätte man mit entsprechenden Zeitangaben am Kapitelanfang entgegenwirken können.
Meiner Meinung nach wurde auch ein wenig zu viel mit den gängigen Klischees gespielt: Einsame Insel, abgeschnitten von der Außenwelt, ohne Telefon und Internet, baufälliges Haus, Amnesie, etc.
Für mich das einzig positive am Buch war die ausgewählte Gegend in der die Geschichte spielt. Mit den schottischen Highlands kriegt man mich ja immer irgendwie. Leider hat das hier nicht sonderlich viel rausgerissen.
Mir ist das Buch nicht nahe gegangen, ich fand es nur vereinzelt spannend und ich habe mich eher durchgekämpft. Die Sprache hat mir gefallen und eben der landschaftliche Hintergrund. Schade, dass ich nicht mehr positive Dinge über das Buch sagen kann. Vielleicht habe ich es ja einfach nicht verstanden … 😉
Ich wünsche anderen Lesern mehr Spaß bei der Lektüre. Ich wäre gespannt andere Meinungen zu diesem Buch zu hören.

Zum Schluß noch ein Achtung Spoiler-Alarm zu einer Frage, die mir auf der Seele brennt:
Da im Buch Kirstie behauptet Lydia zu sein, lassen Sarah und Angus bei den Behörden, die entsprechenden Papiere abändern und somit ist Kirstie schließlich tot. Am Ende, wenn Kirstie wieder Kirstie ist, stellt sich für mich aber die Frage, ob und wie der Identitätswechsel des Kindes bei den Behörden wieder rückgängig gemacht wird. Oder bleibt sie jetzt offiziell Lydia?

Welche Thriller ich gelungen fand?
Jussi Adler-Olsen: VerheissungTania Carver: Jäger
Stuart Macbride: Das 13. Opfer

Autorenporträt
S.K. Tremayne ist ein englischer Bestsellerautor und preisgekrönter Reisejournalist, der regelmäßig für internationale Zeitungen und Magazine schreibt. Er wurde in Devon geboren und lebt heute mit seinen beiden Töchtern in London.

Buchinfo
„Eisige Schwestern“ von S.K. Tremayne, erschienen Mai 2015 bei Knaur TB
Taschenbuch: Quality Paperback, 400 Seiten, € 14,99, ISBN: 978-3-426-51635-5
eBook: 448 Seiten, € 12,99, ISBN: 978-3-426-42636-4

Quellen
Bild: www.droemer-knaur.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

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