Dr. Peter Teuschel: Der Mann, der sich in die Zebrafrau verliebte

Ein alter Mann sehnt sich nach dem Kuss der Zebrafrau. Eine 50jährige Frau kann keine Freude oder überhaupt tiefe Gefühle empfinden. Eine Ehefrau hält ihren Mann plötzlich für Hannibal Lecter. Und ein junger Mann möchte in einem Online-Rollenspiel therapiert werden. Mit all diesen Menschen und natürlich noch vielen anderen hat Dr. Peter Teuschel während seiner Zeit als Psychiater und Psychotherapeut zu tun. Einige seiner Patienten stellt er in diesem Buch vor.

_Der Mann, der die Zebrafrau liebtePeter Teuschel ist Psychiater und Psychotherapeut. Nach der Arbeit in verschiedenen Kliniken hat er zwischenzeitlich seine eigene Praxis eröffnet. Einige besondere Fälle aus seiner bisherigen Laufbahn stellt er nun in einem Buch vor.
Zum Beispiel den älteren Herrn, der seit über 30 Jahren im Heim lebt. Als er in die Obhut des damals noch sehr jungen Dr. Teuschel gelangt ist er regelrecht besessen von der Zebrafrau. In seiner Wahnvorstellung kann allein die Zebrafrau ihm mit einem Kuss Erlösung und Frieden bringen.
Eine andere Patientin hat ihren Ehemann komplett vergessen. Stattdessen hält sie ihn für einen Einbrecher, gar für Hannibal Lecter. Sie alarmiert die Polizei und landet schließlich bei Dr. Teuschel. Der nimmt sich des ungewöhnliches Falles an. In vielen Gesprächen mit der temperamentvollen und ansonsten völlig klaren Frau, findet der Arzt denn auch die Ursache für ihren plötzlichen selektiven Gedächtnisverlust.
Auf ganz neue Pfade begibt sich der Psychiater als er von P. Damscheidt kontaktiert wird. Die Person gibt keine persönlichen Informationen und möchte auch nicht zum Gespräch in die Praxis kommen. Stattdessen soll Dr. Teuschel ihn/sie online therapieren. Aber nicht einfach per Mail oder einem einfachen Chat. Nein, der Doktor muss sich bei World of Warcraft anmelden und die Gespräche finden in der dortigen virtuellen Welt statt.

Erfrischend andere Therapieansätze

Die Vielfältigkeit der psychischen Erkrankungen ist immens. Und mich fasziniert immer wieder, welche verschlungenen Wege das Gehirn geht, um mit belastenden Situationen umzugehen. Daher finde ich solche Bücher wie das von Dr. Teuschel überaus interessant. (Und es ist ja auch nicht das Erste, dass ich zu diesem Thema lese.)
Die vorgestellten Menschen und Erkrankungen sind sehr unterschiedlich. Und die Therapieansätze sind teilweise erfrischend anders. Die Schilderungen und der Schreibstil haben mir gut gefallen. Es ist zu merken, dass ihm die Patienten am Herzen liegen und sein Beruf ihm Spaß macht. Gut fand ich auch die Einleitung mit einem Abriss des Werdegangs von Dr. Teuschel.
Eine sehr interessante und unterhaltsame Lektüre mit Humor, viel Wissenswertem und einer guten Portion Spannung, Happy End und Tragik ebenfalls inklusive. Also alles was ein gutes Buch ausmacht. Bleibt zu wünschen, dass Herr Dr. Teuschel noch weitere Fallgeschichten in der Hinterhand hat.

Mehr Lesetipps zu Realität und Wahrnehmungsstörung:

Oliver Sacks: Das innere Auge
Werner Dopfer: Seelenscherben – Wenn die Normalität zerbricht

Autorenporträt
Peter Teuschel, geboren 1959, ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Nach seiner Ausbildung in München und Augsburg war er einige Jahre Chefarzt der Fachklinik Inzll-Eck. Heute hat er eine eigene Praxis in München. Peter Teuschel ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Buchinfo
„Der Mann, der sich in die Zebrafrau verliebte. Geschichten über Menschen zwischen Wahn und Wirklichkeit“ von Peter Teuschel, erschienen November 2014 bei Ullstein extra
Hardcover: Klappenbroschur, 256 Seien, € 14,99, ISBN-13 9783864930263
eBook: Format: ePub, 256 Seiten, € 12,99, ISBN-13 9783843709538

Quellen
Bild: www.ullsteinbuchverlage.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

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3 Gedanken zu “Dr. Peter Teuschel: Der Mann, der sich in die Zebrafrau verliebte

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