Daniel Everett: Das glücklichste Volk

Immer wieder versuchen Menschen aus einem Überlegenheitsgefühl heraus andere Menschen zu bekehren; ihnen ihre Sicht der Dinge, ihren Glauben aufzudrängen. Doch was, wenn das Volk, welches man bekehren will, hier keinerlei Einsicht zeigt? Keinerlei Willen vom bisherigen Lebensstil und der Religion abzuweichen? Daniel Everett stand vor dieser Frage.

Das gluecklichste Volk von Daniel EverettDaniel Everett ist Sprachforscher und Missionar. Über viele Jahre hinweg lebte er immer wieder bei einer kleinen Gemeinschaft der Piraha (gesprochen: Pi-da-HAN). Bereits mit Mitte Zwanzig begibt er sich mit seiner Familie in den Brasilianischen Dschungel. Dort, am Fluss Maici, möchte er schaffen, was vor ihm kein anderer Sprachforscher konnte – die Sprache der Piraha lernen. Um anschließend die Bibel in diese Sprache zu übersetzen und ihnen so die christliche Lehre nahe zu bringen.
Es ist ein einfaches Volk von Jägern und Sammlern. Die Männer fischen und jagen, die Frauen sammeln Nahrung, waschen die Wäsche und kümmern sich um die Kinder. Wobei diese sobald sie der Mutterbrust entwöhnt sind, ebenfalls mit anpacken müssen.
Die Piraha verfügen über keinerlei Besitztümer. Sie sind anderen Dingen gegenüber zwar aufgeschlossen und neugierig, übernehmen jedoch so gut wie nie Angewohnheiten oder Fertigkeiten von Außenstehenden. Sie leben in der Gegenwart, haben keine Traditionen und glauben nicht an Märchen oder Mythen. Für sie ist nur wahr, wofür es mindestens noch einen Augenzeugen aus ihren Reihen gibt.
Während Daniel Everett im Dorf wohnt prallen also Welten aufeinander. Der junge Mann macht sich dennoch an die Arbeit. Er lernt mit Hilfe der Piraha ihre Sprache, deren Besonderheiten und Feinheiten. Er erfährt ihre Freude am Leben, lernt ihren Bezug zu Geistern kennen, das Miteinander im Dorf und gegenüber anderen Piraha-Dörfern.
Über Jahrzehnte hinweg berichtet er auch immer wieder von seinem Glauben. Von seinem tragischen Verlust, der ihm jedoch Jesus und den christlichen Glauben näher brachte und ihm half. Er berichtet von den Geschichten aus der Bibel. Doch als die Piraha ihm eines Tages sagen „Wir wollen Deinen Jesus nicht.“ beginnt auch Daniel sich von seinem Glauben zu entfernen.

Faszinierend wie ein Abenteuerbuch

Ich war sehr positiv überrascht, dass Sprachforschung so interessant sein kann. Natürlich werden die Besonderheiten und Eigenarten des Piraha erläutert. Es gibt daher auch die ein oder andere langatmige Stelle im Buch.
Dies wird jedoch durch die Beschreibungen des Zusammenlebens und –arbeitens von Daniel Everett und den Piraha mehr als wett gemacht. Gerade am Anfang ist es faszinierend wie ein Abenteuerbuch. Man lernt selbst das Volk durch die wohlwollenden Augen des Autors kennen, von dem man ansonsten nicht das Geringste wüsste.
Ich habe an den Seiten geklebt und hätte gern noch viel mehr gelesen von den Erlebnissen des Autors mit diesem so anderen und besonderen Volk. Daher ist das Buch eine eindeutige Empfehlung.

 

Autorenporträt
Daniel Everett, geboren 1951 in Kalifornien, ist Professor für Linguistik an der Illinois State University. 1977 reiste er zum ersten Mal als Missionar zu den Pirahã in das brasilianische Amazonasgebiet, widmete sich jedoch bald nur noch der Erforschung ihrer Sprache und Kultur.

Buchinfo
“Das glücklichste Volk – Sieben Jahre bei den Pirahã-Indianern am Amazonas“ von Daniel Everett, erschienen Mai 2012 bei Pantheon
Paperback: Klappenbroschur, 416 Seiten, mit Abbildungen, € 16,99, ISBN: 978-3-570-55167-7

Quellen
Bild: www.randomhouse.de / Text außer Autorenporträt: Susanne

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