Sybil Volks: Torstraße 1

Ganz eng ist Elsas Leben und Person mit dem Kaufhaus Jonass verbunden. Wurde sie doch seinerzeit während der Eröffnung des Kaufhauses dort geboren. Auch für Vicky, Wilhelm und Bernhard ist das Kaufhaus Jonass zeit ihres Lebens ein zentraler Punkt. Ganz egal in welchem Jahrzehnt sie leben und unter welchem Machthaber.

Torstraße grElsas Geburtsstunde ist auch die Geburtsstunde des Kaufhaus Jonass in der Torstraße 1. Das erste Kaufhaus in dem man in Raten bezahlen kann. Elsas Mutter Vicky arbeitet im Jonass und bringt nach einer Affäre genau während der Eröffnungsfeierlichkeiten 1928 das kleine Mädchen im Kaufhaus zur Welt.
Geburtshelfer ist neben einer rauchenden Alten auch Bauarbeiter Wilhelm. Er hat das Kaufhaus mit aufgebaut und sogar einen Unfall während der Arbeiten überlebt. Zur gleichen Stunde wie Vicky bringt Wilhelms Frau an anderer Stelle ebenfalls ein Kind zur Welt – Bernhard.
Die ungewöhnlichen Umstände schweißen sowohl Elsa als auch Bernhard an das Kaufhaus und aneinander. Und auch Vicky lässt das Haus zeit ihres Lebens nicht los. Arbeitet sie zunächst noch unter den jüdischen Eigentümern Grünberg, so übernimmt mit dem Aufstieg Hitlers auch ein Deutscher die Zügel in Kaufhaus. Die Grünbergs müssen flüchten.
Aus dem Jonass wird die Zentrale der Hitlerjugend. Nach dem Krieg zieht das Institut für Marxismus-Leninismus der SED dort ein. Bernhard – inzwischen Journalist – beginnt dort zu arbeiten. Nicht lange nach dem Krieg trennt die Mauer die Stadt – und damit auch Elsa und Bernhard. Die beiden haben immer Kontakt gehalten, ebenso wie Vicky und Wilhelm. Doch es wird immer schwieriger vom Osten in den Westen der Stadt zu gelangen.
Erst nach dem Mauerfall ist der Weg für neue ungefährliche Begegnungen wieder frei. Doch die unterschiedlichen Prägungen der letzten Jahre haben bei Elsa und Bernhard Spuren hinterlassen.

Geschichte eines Hauses

Eine äußerst ungewöhnliche Geschichte um ein Haus, die auf Tatsachen beruht. Besagtes Gebäude Torstraße 1 gibt es in Berlin tatsächlich und die wechselnden Besitzer im Laufe der Jahrzehnte sind belegt.
Die Geschichte um Vicky, Wilhelm, Elsa und Bernhard hingegen ist Fiktion. Deswegen jedoch nicht minder liebenswert. Fesselnd und rührend ist die Liebesgeschichte allemal. Die deutsche Geschichte in diesem Zusammenhang dargestellt außerdem drastisch und bewegend.
Ein wunderbarer Roman über die Macht eines Hauses und die Verbundenheit verschiedener Menschen zu einem einzigen Gebäude.

 

Autorenporträt
Sybil Volks, geboren 1965, lebt in Berlin und arbeitet als freie Redakteurin und Autorin. Sie hat zahlreiche Erzählungen und Gedichte veröffentlicht und erhielt ein Literaturstipendium des Berliner Senats. Ihr historischer Berlin-Krimi ‚Café Größenwahn‘ war nominiert für den Sir-Walter-Scott-Preis sowie den Glauser-Preis 2008 als bestes Krimidebüt.

Buchinfo
„Torstraße 1“ von Sybil Volks, erschienen November 2012 bei dtv, Hardcover, 400 Seiten, € 19,90, ISBN 978-3-423-28004-4

Quellen
Bild: www.dtv.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

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2 Gedanken zu “Sybil Volks: Torstraße 1

  1. Pingback: Sybil Volks: Wintergäste | Wortgestalten

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