Michael Tsokos: Der Totenleser

Mit „Der Totenleser“ hat der Rechtsmediziner Dr. Michael Tsokos sein zweites Buch rund um seinen Beruf herausgebracht. Bereits in „Dem Tod auf der Spur“ schilderte er einige seiner ungewöhnlichsten Fälle. Dabei und auch im neuen Buch macht er den geneigten Leser mit den Besonderheiten, aber auch Alltäglichkeiten seines Berufes bekannt. Und zerstört gleich ein paar Rechtsmedizin-Mythen, die in vielen Krimi-Serien propagiert werden.

_Der Totenleser 2Dr. Michael Tsokos ist Leiter des Institutes der Rechtsmedizin der Charité. In seinem Beruf hat er es nahezu täglich mit gewaltsam zu  Tode gekommenen Menschen zu tun. Doch nur in wenigen Fällen sind es tatsächlich Verbrechen. Häufig setzen die Verstorbenen ihrem Leben selbst ein Ende.
Viele dieser Fälle schildert er in „Der Totenleser“. Sei das der junge Mann, der sich nach einer Party wochenlang verfolgt fühlt. Der schließlich keinen anderen Ausweg weiß, als sich auf recht spektakuläre Weise selbst zu töten. Dr. Tsokos und seine Mitarbeiter kommen den Hintergründen erst nach einigen Recherchen auf die Spur.
An anderer Stelle wird ein Rentnerehepaar tot im eigenen Haus aufgefunden. Beide erstickt. Glaubt die Tochter auch nicht an Suizid, so liegt diese Tatsache jedoch nahe. Ein Abschiedsbrief und die Ermittlungen fördern denn auch den tatsächlichen Hergang zu Tage.
Auch der Mord an einem kleinen Mädchen ist wieder Thema. Die siebenjährige Michelle kehrt vom Besuch ihrer Freundin nicht zurück. Die rasch eingeleitete Suche bleibt zunächst erfolglos. Erst der verhaltensauffällige Bruder von Michelles Freundin zeigt den Ermittlern den rechten Weg. Michelle wird gefunden, doch leider kommt jede Hilfe zu spät.
Dr. Tsokos befasst sich auch mit den Schwierigkeiten der Leichenbergung und -untersuchung, wenn diese zu schwer und der Leibesumfang zu groß ist. Zu welchen Grausamkeiten verlassene Männer fähig sein können. Was Mütter zu Tötung ihrer Neugeborenen treibt und wie giftig Leichen wirklich sind.
Bei alle dem beschränkt der Rechtsmediziner sich nicht nur auf den jeweiligen Fall bzw. beschreibt starr das Vorgehen. Er erklärt anschaulich die (möglichen) Hintergründe der jeweiligen Tat, räumt mit so manchen Serienmärchen auf und befasst sich auch ganz allgemein mit dem Thema des aktuell geschilderten Falles.

Härter als jeder Thriller

Wie schon „Dem Tod auf der Spur“ ist auch „Der Totenleser“ nichts für schwache Nerven. Eigentlich gibt es nichts in diesem Buch, das man als Krimi- und Thrillerfan nicht schon einmal in einem Roman gelesen oder in einem Film gesehen hätte. Der kleine, aber feine Unterschied, der mitunter ein leichtes Würgen hervorruft: in diesem Buch ist nichts ausgedacht. Die Fälle beruhen auf Tatsachen. Dort zu lesen wie ein Mann seiner Frau bei lebendigem Leib die Augen aussticht ist ein anderes Kaliber, als in einem Krimi.
Wer Krimis mag, wird mit dem Buch auf jeden Fall auf seine Kosten kommen. Und kann beim nächsten Krimiabend vor Freunden und Familie mit seinem „Fachwissen“ prahlen und den TV-Rechtsmedizinern einen Schritt voraus sein.
Bei aller Unterhaltung die das Buch bietet, sollte man als Leser dennoch nicht vergessen, dass hinter jeder Geschichte tatsächliche menschliche Schicksale stehen.

 

Autorenporträt
Prof. Dr. Michael Tsokos,  42, leitet das Institut für Rechtsmedizin der Charité und das Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin. Als Mitglied der Identifizierungskommission des Bundeskriminalamtes war er an zahlreichen gerichtsmedizinischen Projekten im In- und Ausland beteiligt, u.a. 1998 in Bosnien. Für seinen Einsatz zur Identifizierung deutscher Tsunami-Opfer in Thailand erhielt er 2005 den Medienpreis Bambi.

Buchinfo
„Der Totenleser – Neue unglaubliche Fälle aus der Rechtsmedizin“ von Prof. Dr. Michael Tsokos, erschienen Oktober 2010 bei Ullstein
Taschenbuch: Kartoniert, 256 Seiten, € 8,95, ISBN-10: 3548373429, ISBN-13: 9783548373423
eBook: 240 Seiten, € 7,99, ISBN-13 9783548920368

Quellen
Bild & Autorenporträt: www.ullsteinbuchverlage.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

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3 Gedanken zu “Michael Tsokos: Der Totenleser

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