Ecu/Gal: Als Schildkröte im Hochland von Santa Cruz

18. Oktober 2015

Heute steht der erste „Umzug“ auf den Inseln an. Zum Frühstück kriege ich wieder einen sensationellen Käsetoast und unschlagbare frische Papaya. Unmittelbar danach werde ich ins Speedboot verfrachtet. Mit ordentlich PS bringt es mich in zwei Stunden von Puerto Baquerizo Moreno auf San Cristobal nach Puerto Ayora auf Santa Cruz. Die Überfahrt ist eine recht feuchte Angelegenheit für mich. Aber das stört mich nicht sonderlich. Viel abenteuerlicher finde ich es, dass ich im Hafen von Puerto Ayora nicht unmittelbar am Pier anlege, sondern auf dem Wasser in ein kleines Wassertaxi umsteigen muss. Sehr wackelig. Auch an Land schwanke ich noch etwas.

Der Pier mit den Leguanen auf Santa Cruz

Der Pier mit den Leguanen auf Santa Cruz

Ein Abgesandter der örtlichen Reiseagentur erwartet mich und bringt mich gleich in mein Hotel Fernandina. Wenig später holt mein neuer Guide, Cesar, mich ab und wir spazieren zum Charles-Darwin-Center. Auf dem Weg erhalte ich meine erste Lektion über die verschiedenen Mangroven. Und Cesar zeigt mir einen kleinen, wenig benutzen Pier auf dem lauter Iguanas (= Leguane/Echsen, in dem Fall Meerechsen) liegen. Ich finde sie im Vergleich zu den Dokumentationen aus dem TV recht klein. Es sind hauptsächlich Weibchen und Jungtiere. Cesar erklärt mir den Unterschied zwischen Männlein und Weiblein und erzählt mir auch sonst noch einiges über die Tiere.

Sie dösen in der Sonne vor sich hin und sind in der Regel recht entspannt, wenn man sich nicht zu hektisch nähert. Obwohl ich finde, sie sehen ziemlich aggressiv aus, sind sie das wohl nicht. Außerdem sind sie wahre Kletterkünstler, denn sie kriechen mühelos an einer geraden Mauer hoch oder runter um aus dem oder ins Wasser zu kommen.

Das Charles-Darwin-Center

Da Sonntag ist, ist das Darwin-Center nicht geöffnet. Wir können nur im Außenbereich herumlaufen. Auf einer Bank sitzt eine Figur von Charles Darwin himself. Ein gemeinsames Foto ist unumgänglich.

Ansonsten macht die Station einen etwas trostlosen Eindruck auf mich. Wir besuchen zwei Gehege für Riesenschildkröten – die ich nach wie vor beeindruckend finde – und es gibt drei leuchtend gelb-orange Landleguane.

Damit ist der Ausflug auch schon beendet und es geht zurück ins Hotel. Der Lunch wartet. Es ist – und wird es den ganzen Urlaub über sein – gewöhnungsbedürftig allein am Tisch und zuweilen überhaupt allein im Restaurant zu sitzen und zu essen. Doch heute gibt es Ceviche, eine Fischsuppe. Mich überrascht, dass sie kalt ist. Sie schmeckt säuerlich und frisch und es sind Unmengen Oktopus und Shrimps und Fisch drin. Ich finde sie extrem lecker, kann aber gar nicht alles essen.

Unterwegs mit dem Tortoise-Flüsterer

DSC03654Nach dem Mittag unternimmt Cesar mit mir einen Ausflug ins Hochland zu einer Farm auf der Dutzende Riesenschildkröten quasi frei leben können: die Rancho Primicas. Schon auf dem Weg dorthin zeigt Cesar mir am Straßenrand den einen oder anderen Schildkrötenpanzer im Gras. Ich freu mich wie ein kleines Kind und kann gar nicht aufhören zu kichern und zu staunen. Auf der Zufahrt zur Farm liegt dann mitten auf dem Weg eine der Tortoises, wie Cesar die Landschildkröten nennt. Es versteht sich von selbst, dass man sie in Ruhe lässt. Entweder man findet einen Weg um sie herum zu fahren (so wie wir) oder man muss geduldig warten.

Mit Gummistiefeln bestückt laufen wir schließlich auf dem weitläufigen grasigen Farmgelände herum. Überall im grün sieht man die braunen Höcker der Schildkrötenpanzer. Cesar, mein Tortoise-Flüsterer animiert die Giganten dazu sich mal ein wenig aufzurichten und fotografiert mich dann mit ihnen. Besonders beeindruckt bin ich, wenn sie ihren Hals hervorstrecken und ich nur 20 oder 30 Zentimeter von ihnen entfernt bin.

Ihre Köpfe erinnern mich schwer an ET. Spielberg muss eine Schildkröte im Kopf gehabt haben, als er die Figur schuf. Die faltigen Gesichter erscheinen so ruhig und gemächlich, so erfahren und weise. Und die Augen sind hellwach und aufmerksam. Naja, und harmlos sind sie nicht. Sie können genauso gut böse und ärgerlich gucken, wenn man sie auf dem falschen Fuß erwischt. Das merkt man dann schon, wenn es soweit ist. Aber es sind prächtige Tiere, die sich wie ich finde auch sehr elegant bewegen können, erhaben, stolz. Ich bin mächtig beeindruckt.

Einmal Turtle sein

Immer mehr Touristen kommen zur Farm und künden lautstark von ihrer Anwesenheit. Cesar und ich beenden also unseren Besuch. Im angeschlossenen Cafe gibt es noch ein paar leere Schildkrötenpanzer anzusehen. Sie fühlen sich an wie Rinde und sind erstaunlich dünn. Gerade mal 3-5mm dick ist so ein Panzer und auch nicht so schwer wie ich dachte. Zur Belustigung der Touristen kann man sich zwei der Panzer sogar „anziehen“. Einer ist komplett erhalten und es braucht etwas Geschick und Hilfe, um hineinzukommen. Dafür kann man darin aufrecht stehen und Turtle spielen.

Der andere besteht aus einer einzelnen Bauchplatte und dem separaten Rückenpanzer. Bei dem legt man sich auf die Bauchplatte am Boden und der Rückenpanzer wird auf einen drauf gelegt. Am unten stehenden Bild habe ich das mal demonstriert. *g* Natürlich gibt es immer großes Hallo und viel Gelächter, sobald sich jemand dieser Prozedur unterzieht. Ich diene nun einigen anderen Urlaubern als unterhaltsame Anekdote. (Tage später wurde ich sogar in der Fußgängerzone darauf angesprochen von einer Touristin die mich wieder erkannt.)

Grausame Natur

Am Abend spaziere ich durch den Ort und lande unweigerlich am Pier. Dort gibt es ganz viele Pelikane, die ich beobachten kann. Seelöwen sind nur mäßig vertreten. Vielleicht weil es keinen Sandstrand gibt hier. Ein Tier fällt mir dennoch auf, denn ihm fehlt der Schwanz. Nebenstehende Polizisten die ich neugierig frage, denken, dass ein Hai den Schwanz abgebissen hat. Natur halt. Ich verkneife es mir, den Seelöwen zu fotografieren. Es macht mich traurig. Es ist nicht so, dass ich das Schlimme nicht sehen oder mich nicht daran erinnern will, aber es kommt mir falsch vor. So ähnlich wie im Kuriositätenkabinett. Das gilt auch für das halb-verhungerte Seelöwenbaby, dass ich an dem Abend sah. Es ist also ein Abend mit gemischten Gefühlen.

Ein bisschen Werbung muss sein:
Meine Reise wurde organisiert von Sommer Fernreisen. Das erwähne ich deshalb, weil alles echt super geklappt hat.

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