Ben Aaronovitch: Fingerhut-Sommer

Zwei Mädchen sind verschwunden. Police Constable und Zauberlehrling Peter Grant soll bei der Suche helfen. Doch dieses Mal nicht auf dem vertrauten Pflaster von London, sondern auf dem platten Land. Nachdem seine Kollegin und gute Freundin Lesley ihn erst vor kurzem verraten hat, bekommt er stattdessen von der Flusstochter Beverly Unterstützung.

Eine meine Lieblingsstellen: „Gepriesen seien die Außerirdischen, dachte ich, die das Ganze seit 1947 noch verworrender machen. Einmal hatte ich Nightingale danach gefragt. Er hatte geantwortet: „Noch nicht.“ Ich vermutete, dass, sollten jemals welche auftauchen, sie in unseren Zuständigkeitsbereich fallen würden. Weil wir ja bisher so unausgelastet sind.“ (Zitat Seite 44)

Fingerhut-SommerAls in Herefortshire zwei 11-jährige Mädchen gemeinsam verschwinden, kommandiert Inspector Nightingale seinen Schützling Peter Grant ab, um bei der Suche zu helfen. Obwohl es keine Anzeichen dafür gibt, dass Magie im Spiel ist, soll der Police Constable und Zauberlehrling Peter sich mal mit einem Rentnermagier von dort unterhalten. Und natürlich seine Dienste bei den örtlichen Behörden anbieten. Die sind zwar skeptisch, aber können jede helfende Hand gebrauchen.
Dem jungen Londoner wird DC Dominic Croft zur Seite gestellt, damit er sich auf dem Land besser zurecht findet. Außerdem erhält er Unterstützung von einer alten Bekannten aus London: Flusstochter Beverly.
Bald schon findet Peter die ersten Hinweise auf magische Aktivitäten. Was aber die geklauten Drogen und ein totes Schaf damit zu tun haben, bleibt zunächst rätselhaft. Bei einem nächtlichen Streifzug durch die Gegend mit Dominic und Beverley, passiert schließlich das Unglaubliche: sie finden die beiden Mädchen unversehrt.
Die Berichte über den Aufenthaltsort der Mädchen und ihre Erlebnisse strotzen nur so vor Fantasie: Einhörner, rosa Schlösser, geheimnisvolle Prinzessinnen … und dann soll eines der Mädchen auch noch falsch sein. Scheinbar verdrängen die Kinder die traumatischen Geschehnisse. Einzig Peter hört genau zu und kommt dem Geheimnis auf die Spur.

Ich liebe den „abstrusen Scheiss“

Nach langem Warten habe ich den neuen Fall von Zauberlehrling Peter Grant regelrecht verschlungen. Somit war das Lesevergnügen leider sehr kurz, weil ich das Buch einfach nicht aus der Hand legen konnte.
Ben Aaronovitch hat sich wieder eine Menge einfallen lassen, um den Leser zu unterhalten mit allem möglichen „abstrusen Scheiss“. Und ich liebe es! Die Verknüpfung von Realität und fantastischen Märchenwesen macht das Ganze äußerst amüsant. Besonders anschaulich an der Stelle, an der erwachsene Männer ernsthaft über die Existenz von Einhörnern reden. Da kann man oft nur schmunzelnd den Kopf schütteln. Dazu so schöne Formulierungen wie „kalligraphische Hürden“ für „Sauklaue“.
Peter ist ein unheimlich sympathischer Charakter. Er ist geradeheraus, charmant, einfallsreich, steht auf Sex und gibt auch zu, wenn er mal keine Ahnung hat. Für mich ist er allerdings nicht „Harry Potter auf Speed“, wie es auf dem Cover steht. Ich sehe vielmehr den realen Magier Troy vor mir, der zwar kein Polizist ist, aber ebenfalls aus London stammt. Ob die Ähnlichkeiten nur Zufall sind oder nicht, weiß ich allerdings nicht. (Schaut Euch mal ein paar Videos von Troy an – vielleicht fasziniert er Euch genauso wie mich.)
Ich will nicht verhehlen, dass die Story mitunter Schwächen hat. Den fehlenden actiongeladenen Schluss kann ich verschmerzen, aber für mich blieb die ein oder andere Frage ungeklärt. Warum zum Beispiel die Entführung überhaupt stattfand bzw. was es mit dem Tausch auf sich hat.
Man könnte aber sagen der Weg ist das Ziel. Denn die Lektüre ist spannend, geistreich und witzig. Ich kann das Buch nur empfehlen. Wer allerdings Neueinsteiger ist und von Peter Grant bisher nichts gehört hat, der sollte – wie bei allen anderen komplexen Reihen – mit Band 1 „Die Flüsse von London“ beginnen.

Rezensionen zu den anderen Peter-Grant-Büchern von Ben Aaronovitch:

„Schwarzer Mond über Soho“
„Ein Wispern unter Baker Street“
„Der böse Ort“

 

Autorenporträt
Ben Aaronovitch wurde in London geboren und lebt auch heute noch dort. Wenn er gerade keine Romane oder Fernsehdrehbücher schreibt (er hat u. a. Drehbücher zu der englischen TV-Kultserie ‚Doctor Who‘ verfasst), arbeitet er als Buchhändler. Seine Fantasy-Reihe um den Londoner Polizisten Peter Grant mit übersinnlichen Kräften eroberte die internationalen Bestsellerlisten im Sturm.
Mehr über Ben Aaronovitch und seine Bücher erfahren Sie unter: www.the-folly.com.

Buchinfo
„Fingerhut-Sommer“ Peter-Grant-Reihe, Band 5 von Ben Aaronovitch, erschienen im August 2015 bei dtv
Taschenbuch: 416 Seiten, € 9,95, ISBN 978-3-423-21602-9
eBook: 400 Seiten, € 7,99, ISBN 978-3-423-42725-8

Quellen
Bild: www.dtv.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

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2 Gedanken zu “Ben Aaronovitch: Fingerhut-Sommer

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