Ecu/Gal: Tränen in der Cueva de Sucre

Mittwoch, 21.10.2015 (Nachmittag)

Nach dem Lunch holt mich Ricardo mit dem Jeep ab. Er trägt wieder dieses komische Schalmützendings und von seinen langen wilden Haaren ist nichts zu sehen. Haare, um die ihn jede Frau – einschließlich ich – beneiden kann. Ricardo sieht wieder mal aus, als würden wir einen Ausflug zum Strand machen. Und als wäre er mein Kumpel und nicht mein Guide. Aber nein, es geht jetzt ins „Highland“. Ich verbinde damit ja eher Schottland, aber das ist eine andere Geschichte.

Wir bleiben jedoch nicht zu zweit, sondern laden noch drei andere junge Menschen in unser Auto. Gemerkt habe ich mir aber nur den Namen von Andrea, die aus der Schweiz kommt. Vermutlich weil ich mich mit ihr als einziges länger unterhalte. Trotz allem habe ich Komplexe, wenn ich mich auf Englisch unterhalten soll. Erst recht, wenn man mich nicht direkt anspricht bzw. in ein Gespräch verwickelt. Es wird aber eine lustige Tour. Ein junger Mann ist noch dabei und eine weitere Frau. Alle sind jünger als ich.

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Blick vom Mirador del Mango

Der Mega-Mangobaum

Als erstes geht’s zum Mirador del Mango. Der ist eigentlich gesperrt, weil die Holzplanken der Plattform schon etwas morsch und löchrig sind. Ricardo findet es vertretbar, dass wir das Ding trotzdem betreten. Ich habe ob meiner Gewichtsklasse etwas Bedenken. Erst recht, als wir uns alle auf einen Fleck stellen, um ein Gruppenfoto zu machen. Aber alles ist gut, keine Planke bricht.

Was wir von hier aus sehen ist hauptsächlich flach und grün. Im Hintergrund im jahreszeitbedingten Garua die ein oder andere Erhöhung. Auch den Ort Puerto Villamil und dahinter im Meer Isla Tortuga kann man erkennen. Der Aussichtspunkt heißt Mango, weil in der Nähe ein einzelner Mangobaum steht. Mit seinen dunkelgrünen Blättern und einer beachtlichen Krone fällt er ein aus dem Rahmen. Gegen ihn wirken die alle anderen Pflanzen etwas blass. Außerdem überragt der die umstehenden Bäume ziemlich.

Noch mehr Mega-Bäume

Als nächstes geht es zum Campo Duro. Es soll eine Eco-Lodge sein. Man kann dort zelten und herumspazieren zwischen Obstbäumen und allerlei Pflanzen und Bäumen. Uns empfängt ein riesiger Ficus. Ich habe einen in meinem Wohnzimmer stehen und freue mich regelmäßig über seine anständige Größe von 1,5m. (Bzw. freue ich mich regelmäßig, dass er noch immer lebt.) Was ich aber hier sehe, übersteigt alle meine Vorstellungen von einem Ficus. Ich hoffe nicht, dass meiner so groß wird! Es ist ein beachtlicher Baum von ca. 15m oder sogar 20m Höhe und staatlichem Stammumfang. Die Wurzeln schauen teilweise aus der Erde heraus und reichen sehr weit. Ricardo erzählt, dass viele Menschen Häuser nahe bei oder sogar um diese Bäume bauen. Und dass sie dann ein Problem mit den starken Wurzeln bekommen, weil diese Schäden am Haus anrichten.

Was für ein Riese! Ein Ficus am Eingang des Campo Duro

Was für ein Riese! Ein Ficus am Eingang des Campo Duro

Während sich eines der Mädchen abseilt, laufen wir zu viert durch den großen Garten. Durch Bananenpalmen, Papayabäume, Kakao- und Kaffeesträucher, bis zu einem kleinen Tümpel in dem zwei Riesenschildkröten liegen. Hier gibt es auch weitere Mangobäume, aber leider tragen sie gerade keine Früchte. Zu allem und jedem kann Ricardo etwas erzählen. Da ich vieles schon von den anderen Guides kenne, höre ich nur mit halbem Ohr zu.

Dass es noch größer geht als der Ficus am Eingang, zeigt im hinteren Teil ein gewaltiger Ceibo oder auch Kapokbaum. Obwohl er gerade keine Blätter trägt, weil Trockenzeit ist, ist das Ausmaß der Krone sensationell und bildet aus der Ferne einen nahezu perfekten Halbkreis.

Der mächtige Stamm wird von sogenannten Brettwurzeln stabilisiert und an einigen Teilen des Baumes findet man noch die Stacheln, die eigentlich für junge Bäume charakteristisch sind. Ricardo erzählt von seiner Kindheit. Wie viele andere Menschen reiste er zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem solchen großen Baum in dem Bienen lebten. Mit Rauch benebelte man die Bienen und holte dann die Honigwaben heraus. Das war wohl ein ziemliches Fest für alle Beteiligten.

Ein Tunnel voll Gold

Vom Campo Duro aus geht es zur Cueva de sucre. Die fünfte im Bunde ist bei der Abfahrt wieder zu uns gestoßen. Andrea gesteht uns, dass sie Freunden erzählt, die Cueva del sucre hieße so, weil man hier das erste Mal Zucker gefunden hätte. Was natürlich völliger Quatsch ist. Den tatsächlichen Namensursprung erfahre ich allerdings nicht. Und es ist im Übrigen keine Cueva = Höhle sondern ein Tunnel. Sprich, man kommt zu einem anderen Loch wieder raus als man reingegangen ist. Eingang und Ausgang liegen hier jedoch direkt nebeneinander.

Das Ananasfeld

Das Ananasfeld

Ach ja, auf dem Weg zur Cueva hält Ricardo an einem Ananasfeld. Ich bin kein Ananansfan und keine Ahnung wieso, aber ich dachte immer Ananas wachsen auf Bäumen. (Und ich rege mich immer auf über Leute die denken Sauerkraut wächst in Fäden aus dem Boden. *augenroll* Dabei bin ich nicht besser.) Stattdessen sehe ich verhältnismäßig niedrige Pflanzen. Einem Kaktus nicht unähnlich stehen die Blätter kreisförmig (wie bei einer Blüte) ab und in der Mitte thront die einzelne Frucht.

Zurück zur Cueva de Sucre: Am Tunneleingang ist Schauergeschichtenzeit. Ricardo erzählt – von den beiden Mädels befeuert – dass auf Galapagos schon bei Tunnelbegehungen und auch beim Tauchen Touristen spurlos verschwunden sind. Nervöses Lachen. Aber uns kann das natürlich nicht passieren.

Schließlich machen wir uns auf in den Tunnel. Jeder hat eine Taschenlampe. Ricardo hat eine mit einer Kurbel und wir hören immer wieder, wie er das Ding auflädt. *g*

Als wir das Tageslicht hinter uns lassen und nur die Taschenlampen bewegen, offenbart sich die Schönheit. Das Gestein der Wände und Decken schimmert golden und manchmal auch silbrig. Als könnte man die Hand ausstrecken und einfach ein Stück Gold herausbrechen. Es sieht fantastisch aus.

Dazwischen hängen komische Fäden aus der Decke. Das sind Wurzeln von den Pflanzen über uns. Und es ist feucht hier. Leise hört man es tropfen.

Goldschimmer in der Cueva de Sucre

Goldschimmer in der Cueva de Sucre

Viel zu emotional

An einem Punkt des Tunnels heißt Ricardo uns, die Lampen auszuschalten. Andrea zückt ihr Smartphone und startet in der dunklen Stille ein Klavierstück. Wir stehen dicht beieinander. Es ist stockfinster, nichts ist zu sehen. Und zu hören ist nur die Musik und im Hintergrund das leise Geräusch der Wassertropfen, die herabfallen. Minutenlang.

Ich bin so ergriffen, dass mir die Tränen übers Gesicht laufen. Es ist ein einmaliges Erlebnis. Unbezahlbar wie man so schön sagt. Nach dem letzten Klavierton, bildet das unregelmäßige Tropfen einen natürlichen Abschluss der Melodie.

Wir schalten die Lampen wieder ein und ich muss erstmal erklären, dass ich nicht heule, weil ich traurig bin. Sondern einfach nur schrecklich emotional. Wenig später stehen wir schon wieder im Tageslicht. Der Tunnel in U-Form ist wohl gerade mal 60 oder 80m lang.

Damit ist unser Ausflug im Prinzip am Ende. Es geht zurück nach Puerto Villamil.

Ohne Job und Wohnung

Einfallsreichtum bei der Gartengestaltung

Einfallsreichtum bei der Gartengestaltung

Nach meinem üblichen Strandspaziergang zum Sonnenuntergang treffe ich vor dem Hotel Andrea wieder, die sich mit Caroline unterhält. Ich bleibe stehen und schließlich quatsche ich mit Andrea alleine noch etwas bis es Zeit ist fürs Dinner. Sie ist seit einigen Wochen hier. Sie hat ihren Job in der Heimat gekündigt, ihre Wohnung untervermietet und reist jetzt durch die Gegend. Bzw. viel durch Südamerika und nun ist sie erstmal hier gelandet. Ich weiß nicht ob ich beeindruckt sein soll. Irgendwie bin ich es. Mir fehlte der Mut dazu mein Leben so radikal zu ändern. Meinen Job zu schmeißen und ohne finanzielle Rücklagen und Rückhalt und einen Plan durch die Gegend zu reisen. Schließlich will auch die billigste Unterkunft bezahlt werden und die Lebensmittel auch.

Sie erzählt mir außerdem, dass es jeden Abend ein Lagerfeuer am Strand gibt. Ich bin neugierig, das klingt nach einer netten Strandparty, die mir im Grunde noch fehlt. Leider geht es erst gegen halb zehn los – da liege ich ja im Grunde immer schon im Bett. Ich sollte mich aufraffen und hingehen. Zumal ich ja nur deswegen so früh ins Bett gehe, weil ich keine Gesellschaft zum Weggehen habe.

Bedauerlicherweise kriege ich es nicht gebacken nach 21 Uhr noch einmal das Hotelzimmer zu verlassen. Ich ärgere mich im Nachhinein, dass ich so eine faule Trine war. Denn auch am nächsten – meinem letzten – Abend auf Isabela kann ich mich nicht aufraffen.

Ein bisschen Werbung muss sein:
Meine Reise wurde organisiert von Sommer Fernreisen. Das erwähne ich deshalb, weil alles echt super geklappt hat.😉

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3 Gedanken zu “Ecu/Gal: Tränen in der Cueva de Sucre

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