Sybil Volks: Wintergäste

Der schlimmste aller Anrufe platzt kurz nach Weihnachten in das Leben von Inge Boysens Kindern: Ihre Mutter ist tot. Sofort machen sich Kinder und teilweise auch Enkel auf den Weg in die Heimat. Dort auf die kleine Hallig wo Haus Tide, das Elternhaus, steht. All die unterschiedlichen Charaktere, die nicht miteinander harmonieren und deren Leben gerade in die Brüche geht. Erst auf der Insel angekommen erfahren alle, dass sich ein Weihnachtswunder ereignet hat, denn Inge Boysen lebt.

_WintergästeInge Boysen ist tot. Ihre Kinder und Enkel können es nicht fassen, als der Anruf sie kurz nach den Weihnachtstagen erreicht. Sohn Enno, der eigentlich mit seiner Mutter in einem Haus wohnt, gerade aber in einer Arztpraxis auf dem Festland sein eigenes Todesurteil abholen will, fährt sofort zurück nach Hause. Seine Tochter Inka, derzeit wohnhaft im fernen St. Petersburg, setzt sich ebenfalls in das nächste Flugzeug, weil sie kaum glauben mag, dass ihre Ominge gestorben ist.
Die hochschwangere Tochter Gesa erhält die Nachricht ausgerechnet bei einem langersehnten Schäferstündchen mit ihrem Geliebten. Den musste sie über die Weihnachtsfeiertage entbehren, um mit ihrem Mann Jochen und den beiden Kindern ein Familienfest zu zelebrieren. Für eine Familie, die es gar nicht mehr gibt. Mit Jochen und den Kindern fährt sie dennoch sofort zu ihrem Elternhaus.
Und Berit, die jüngste Tochter des Hauses Boysen, hat gerade eine Hundebeerdigung hinter sich gebracht als ihre Schwägerin sie über Inges Tod informiert. Auch sie nimmt bestürzt den nächsten Zug in Richtung Heimat.
Auf der Hallig im Haus Tide, dem Elternhaus, dem Haus von Inge Boysen, treffen sie nach und nach ein. Und erfahren dort: es war falscher Alarm. Inge lebt. Erleichtert sind sie alle. Aber auch verärgert, dass Schwägerin Kerrin ihnen so einen Schreck eingejagt hat und damit auch Umstände verursacht hat.
Alle wollen schnellstmöglich wieder zurück. Zurück in das Chaos, dass sie Alltag nennen. Wo Enno allein mit seinen Ängsten kämpft und den verpassten Chancen im Leben. Wo Gesa nicht weiß, für welchen Mann sie sich entscheiden soll. Wo Jochen nicht im Stande ist einen Schlussstrich unter die Ehe mit Gesa zu setzen. Wo Berit nicht weiß wie sie mit all ihren Allergien und Empfindlichkeiten Geld verdienen soll. Wo Inka gerade meint sich im Ausland selbst und die Liebe zu finden. Wo sich niemand Gedanken darum machen muss, was geschieht mit Haus Tide, wenn Inge tatsächlich nicht mehr da ist.
Doch die ganze Sippe bleibt dank eines Schneesturms wo sie ist. Gänzlich von der Welt abgeschnitten, müssen die Geschwister, Schwäger und Schwägerinnen, die Kinder und Enkel sich miteinander arrangieren.
Der einzige der fehlt ist Boy. Inges viertes Kind, dass auf den Weltmeeren sein Glück gesucht und gefunden hat. Wo mag er stecken?

Zu überladen und ohne Klärung

Ich war (und bin) von Sybil Volks Buch „Torstraße 1“ restlos begeistert. Daher habe ich mich auch für dieses Buch aus ihrer Feder entschieden. Leider recht „Wintergäste“ in meinen Augen nicht an seinen Vorgänger heran.
Ich fand das Buch „to much“. Zu viel, zu überladen. Jeder der Charaktere hat ein Problem, dass für sich genommen schon für Dramatik, Spannung und/oder Tragik sorgen könnte. Alles zusammen hat mich erschlagen. Es ist als würde alles und nichts passieren.
Für mich hat das Buch nicht gehalten was es versprochen hat. Die Geschichte hat mich nicht gefesselt und am Ende stand ich genauso ratlos da, wie am Beginn.
Für mich hat sich nichts geklärt, nach wie vor ist die Zukunft aller Beteiligten offen. Es gibt keine Aussprache zwischen Enno und seiner Mutter oder Enno und seiner Frau. Es gibt kein Gespräch zwischen Jochen und Gesa. Es gibt keine Klärung über die Zukunft des Hauses. Und obwohl Boy laut Aussage bei der Personenbeschreibung, die Rettung bringen soll, sehe ich das am Ende des Buches nicht. Vielleicht weil ich zu sehr ein Fan von klaren Worten bin. Vielleicht kann ich trotz all der vielen Lektüre nicht genug zwischen den Zeilen lesen.
Mich hat das Ende jedenfalls sehr unbefriedigt zurück gelassen. Ich habe keinen Abschluss gefunden. Das finde ich sehr schade, denn ich weiß ja, dass Sybil Volks mich begeistern kann.

Und hier gehts zur Rezension:

Sybil Volks: Torstraße 1

 

Autorenporträt
Sybil Volks lebt als freie Autorin und Lektorin in Berlin. Sie hat zahlreiche Erzählungen und Gedichte in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Ihr historischer Berlin-Krimi ›Café Größenwahn‹ war nominiert für den Glauser-Preis 2008 als bestes Krimidebüt. 2012 ist ihr hochgelobter Familien- und Berlin-Roman ›Torstraße 1‹ erschienen.

Buchinfo
„Wintergäste“ von Sybil Volks, Roman erschienen August 2015 bei dtv premium
Taschenbuch: 416 Seiten, € 14,90, ISBN 978-3-423-26080-0
eBook: ePub, 416 Seiten, € 12,99, ISBN 978-3-423-42849-1

Quellen
Bild + Autorenporträt: www.dtv.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

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