Ecu/Gal: Ein Fest zum Abschied

01. November 2015

Die Nacht war unruhig und ich bin wie immer früh wach. Die morgendliche Dusche ist insofern gewöhnungsbedürftig, als das Bad so klein ist, dass ich quasi über die Toilette in die Duschkabine steigen muss. Der Raum ist gerade mal 2m² „groß“. Nach dem behelfsmäßigen Abendessen freue mich auf ein anständiges Frühstück, aber die Enttäuschung folgt auf dem Fuße. Weil ich hier in der Hauptstadt in einem großen Hotel bin, dass dazu noch einige Gäste beherbergt, habe ich tatsächlich mit einem Frühstücksbuffet gerechnet. Stattdessen bekomme ich auch hier nur portioniertes Obst sowie ein süßes Brötchen mit Marmelade und etwas Rührei. Nicht mal Butter finde ich. Der Saft schmeckt auch nicht. Ich bin echt schwer enttäuscht von dem Hotel. Kein Vergleich zu all den Hotels in denen ich vorher war.

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Das einzig Schöne am/im Hotel: der Empfang

In Ruhe packe ich anschließend meine Sachen, die ich am Vorabend alle noch einmal aus der Tasche gezerrt habe, damit sie etwas an Regenwald-Feuchtigkeit verlieren. In den Rucksack kommt, was ich die nächsten Stunden brauche. Meine Reisetasche kann ich immerhin im Hotel lassen, bis mich 13.30 Uhr das bestellte Taxi zum Flughafen bringt. Bis dahin habe ich noch ein paar Stunden Zeit und will ein wenig durch den historischen Teil der Stadt gehen in dem ich mich schon befinde.

Ziellos durch Quito

Ich laufe mehr oder weniger ziellos durch die Straßen. Aber immer darauf bedacht, halbwegs die Richtung zu wissen in der das Hotel liegt. Dank einem Stadtplan klappt das auch ganz gut. Es gibt viele Kirchen hier und es sind auch einige Leute auf den Beinen. Heute ist Allerheiligen und offenbar gibt es dazu einige Feierlichkeiten. Wobei ich natürlich nicht weiß was an einem normalen Sonntag in Quito los ist.

Es ist ein einziges auf und ab in der Stadt. Sie liegt in den Bergen und ist sehr langgezogen. Die Straßen ziehen sich wie in Wellenbewegungen zwischen den Häusern entlang, bergab, bergauf, bergab, bergauf … Das Wetter ist ganz gut. Es regnet nicht, auch wenn es in höheren Lagen neblig ist. Und auch die Temperaturen sind in einem dünnen langärmligen Pulli gut auszuhalten. Später kommt sogar die Sonne raus.

Klamotten, Handtaschen und Riesenschnecken

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Creme und Seife aus Riesenschnecken

Auf dem Platz vor einem Convent stehen einige Händler unter Plastikpavillons und bieten ihre Waren feil – ein kleiner Markt also. Es gibt Schmuck, Kleidung, Süßigkeiten, Gürtel und Handtaschen, Spielzeug, Kosmetik und Arzneimittel. Ich spaziere zwar durch, weil noch wenig los ist, aber wirklich kaufen will ich nichts.

Zumindest solange bis ich die Schnecke sehe. Auf einem Tisch mit Creme-Dosen und Seife steht eine Schale mit Salat und darin die fetteste und größte Schnecke, die ich je gesehen habe. Die Verkäuferin erklärt den bei ihr stehenden potentiellen Kundinnen gerade in schnellem Spanisch vermutlich die Vorzüge ihrer Produkte. Ich kann es nicht verstehen. Doch ich werde mit einbezogen und kriege auch eine Portion Schneckencreme auf meinen Handrücken geklatscht. Fühlt sich auch nicht anders an als andere Cremes. Aber ich lasse mich dazu hinreißen eine kleine Dose davon zu kaufen. Eine Seife gibt es gratis obendrauf. Super. Mit so einer Creme kann man ja eigentlich nix verkehrt machen. Ich brauche immer was für trockene Hände, gerade im Winter. Warum also nicht ecuadorianische Schneckencreme? Schließlich hab ich in Schottland auch Whiskyhandcreme gekauft. Mir kann man halt alles andrehen. Naja, fast.

Vorbereitungen für ein Fest

Nach diesem Schnäppchen schlendere ich weiter. Ich lande auf einem größeren Platz. Er wird eingerahmt von einer weiteren Kirche, einem großen Kaufhaus, einer Ladenzeile und dem Sitz des Ministers. Die Freitreppe vor der Kirche wird gerade geschmückt. Fahnen und Körbe mit Backwaren werden verteilt. Dazu verschiedene kleinere Gefäße, lange Maisstengel an denen Süßigkeiten und Brötchen und Obst befestigt sind und zum Schluss werden viele bunte Blütenblätter auf den Stufen verteilt. Als Krönung nehmen schließlich Frauen und Kinder in Trachten inmitten dieser Opfergaben Platz.

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Vorbereitungen für einen Erntedankgottesdienst

Zwischendurch bummle ich noch etwas in den angrenzenden Nebenstraßen, kehre dann jedoch zurück, um mir die Veranstaltung nicht entgehen zu lassen. Mich interessiert ohnehin nicht wirklich etwas in Quito und hier kann ich etwas ansehen, dass nicht alltäglich ist. Daher suche ich mir in der Nähe auch ein kleines Cafe, um dort mein missratenes Frühstück nachzuholen. Ein Käsetoast und eine anständige heiße Schokolade beleben mich wieder, während nebenan schon die Vorführung startet.

Viele Menschen haben sich eingefunden, der Platz ist ziemlich voll. Zwischen all den Schaulustigen laufen Straßenverkäufer mit Getränken und Snacks umher. Ich mische mich unters Volk und finde irgendwann auch noch einen Sitzplatz.

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Trachten, Tänze und Geschichten – volles Programm

Eine Show zu Allerheiligen

Auf dem obersten Treppenabsatz führt ein älterer Mann, vermutlich der örtliche Priester (Pfarrer? Pater? Keine Ahnung), das Wort. Junge Männer und Frauen stellen in Kostümen verschiedene Gestalten dar. Mal Mönche und Nonnen, dann wieder Teufel und Jungfrau. Glaube und einheimische Tradition kommen hier wohl zusammen – eine andere Beschreibung fällt mir gerade nicht ein. Ob es um eine zusammenhängende Geschichte geht, kann ich leider nicht verstehen. Aber es ist eine unterhaltsame Show und sehr farbenfroh.

Nach knapp 2h ist es vorbei und die Opfergaben werden unter den Zuschauern verteilt. Die Familie neben mir ergattert einen der Maisstengel und alle strahlen. Überall sehe ich freundliche und lächelnde Gesichter der Einheimischen. Aber auch viele Touristen sind erkennbar. Die sind oft weniger freundlich und lächelnd.

Langsam bekomme ich Hummeln im Arsch. Obwohl ich noch genügend Zeit habe, orientiere ich mich in Richtung meines Hotels. Ich werde ohnehin vermutlich viel zu früh am Flughafen sein, weil die Fahrt dorthin keine 1,5h dauert, wie vom Reiseveranstalter angegeben. Aber sicher ist sicher und ich bin ja sowieso lieber zu früh als zu spät da. Und ich habe auch nicht den Eindruck, dass ich hier etwas verpasse.

Verbrecher an Bord?

Mein Taxi holt mich auch noch etwas früher ab als bestellt und so bin ich schon halb drei am Flughafen, obwohl mein Flug erst 17.45 Uhr startet. Die Zeit wird ganz schön lang. Auf das angefangene eBook hab ich so gar keine Lust und überhaupt wann geht es denn endlich los? In all der Warterei fällt mir auf, dass da in einem separaten Bereich zwei schwer bewachte Männer stehen. Haben wir etwa Verbrecher an Bord, die nach Europa überführt werden müssen??? Die Panikabteilung in meinem Gehirn legt sofort los mit dem Kopfkino.

Als wir endlich in den Flieger dürfen, ist aber gottseidank alles vergessen. Ich will nur heim! Oder wieder nach Galapagos. Der Rückflug ist ähnlich doof wie der Hinflug. Kaum eine Stunde später landen wir noch einmal (planmäßig – nicht wegen der Verbrecher) in Guayaquil und müssen alle aussteigen. Das Flugzeug wird gereinigt und betankt. Und wir werden direkt noch einmal durch eine Sicherheitskontrolle geschleust. Völliger Humbug – wo soll ich denn in der Zwischenzeit ein Messer oder eine Bombe hergekriegt haben? Aus den Wolken gepflückt?

Erst 20 Uhr starten wir endgültig Richtung Amsterdam. Ich kann nicht schlafen und fülle mein Filmdefizit noch etwas auf. Nach 11 Stunden im Flieger kommen wir in Schiphol an und müssen gleich nochmal in die Sicherheitskontrolle. Aber immerhin habe ich zum Umsteigen genügend Zeit. Nervig finde ich es trotzdem. Weil ich es auch nicht verstehe.

Heimkommen ist schöner, wenn man erwartet wird

Mein Flieger nach Stuttgart ist pünktlich und ich freue mich, dass mich dort F. abholt. Das macht das Heimkommen gleich viel schöner, wenn man erwartet wird. Erst zieht mich aber der Zoll noch raus und ich muss meine Tasche kontrollieren lassen. Das ist mir wurscht, weil ich hab ja keine Tiere oder andere verbotene Dinge dabei. Der Beamte ist misstrauisch, weil er findet, dass ich für 3 Wochen Urlaub ganz schön wenig Gepäck dabei habe. Nach meiner Erklärung, dass ich den Krempel ja auch selbst tragen muss und bei der ganzen Umzieherei von Hotel zu Hotel, lässt er mich gottseidank bald gehen.

Allein in meiner Wohnung weiß ich nichts rechtes mit mir anzufangen. Alles ist fremd und komisch und es ist kalt und überhaupt … anders. So unexotisch. Beim Anflug auf Stuttgart hab ich nochmal geheult wie blöde. Ich weiß nicht mal genau warum. Ich war einfach aufgewühlt und hin- und hergerissen.

Ich bin seit etwa anderthalb Tagen auf den Beinen. Wegen der Zeitverschiebung generell und der verpassten Zeitumstellung in Deutschland hab ich keine Ahnung wie lange genau. Ist eigentlich auch wurscht. Trotzdem bin ich nicht müde. Ich rufe meine Mama und meine Schwester an, um mich schnell zurück zu melden. Freunden sage ich per WhatsApp Bescheid, dass ich wieder da bin. Dann ist Ruhe. Ich schalte den Fernseher ein, um die Stille zu übertönen und mich von trübsinnigen Gedanken abzuhalten. Und damit ist mein Urlaubsabenteuer Südamerika endgültig vorbei.

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