Vorübergehend Katzenmama II

Mr. C ist seit gut 10 Tagen bei mir. Ich gebe es nur ungern zu, aber es ist ein sorgenvolles Dasein so als Katzenmutter. Ich mache mir ja sowieso schon um alles und jeden (oft unberechtigt) Sorgen – das hat jetzt nochmal zugenommen. Nach wie vor lasse ich ihn ungern täglich alleine.

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Mr. C und sein (damals noch intaktes) Fummelbrett

Zunächst habe ich an Tag 2 gebastelt. Ein sogenanntes Fummelbrett aus kleinen Bechern, Eierbehältern, Klopapierrollen auf einem festen Pappuntergrund. Kann man aber nur nutzen, wenn man für das Tier auch verlockende Leckerlis hat oder Trockenfutter, dass er mag. Ich hatte beides nicht. Das Leckerlizeug, das ich besorgt hatte, war nur so eine schmierige ungeeignete Paste. Trotzdem war ich sowohl auf das (später einzuweihende) Fummelbrett und meine selbst fabrizierte Kratzmöglichkeit durchaus stolz.

Immerhin kam der Holzstock mit dem dran befestigten Wollfaden dran gut an. Und auch die kleine Kugel aus Alupapier erfreute sich großer Beliebtheit. Und nach etwas Zurückhaltung fand er auch die Papiertüte mit den Papierknäueln drin ziemlich amüsant. Sein Reich (und meine Wohnung) ist nun also gespickt mit Katzenspielzeugen.

Futterwechsel ist angesagt

CAM01220Nach 3 Tagen habe ich entdeckt, dass ihm das Futter, welches E. beim Einzug mitbrachte, nicht zusagt. Ich sah ihn zwar durchaus fressen, aber immer nur kleine Portionen. Aus welchen Gründen auch immer habe ich im Discounter meiner Wahl dann diese kleinen Portionsschalen gekauft und ihm am Abend davon eine vorgesetzt. Meine Güte hat er sich darauf gestürzt! Damit war klar, die großen Dosen brauchte ich gar nicht mehr zu öffnen. (Ich habs auch mit mischen und einer anderen Sorte versucht – aber das hat er sofort durchschaut und verschmäht.)
Außerdem bekam er (nach entsprechender Recherche im Internet) als Katzengrasersatz eine meiner Grünlilien zum Anknabbern. Die sollen für Katzen unbedenklich sein, wenn man nicht gerade Raucher ist oder inmitten von Umweltgiften wohnt. (Grünlilien dienen wohl mehr als andere Pflanzen als Filter und nehmen daher alle Giftstoffe aus der Luft auf und speichern sie. *klugscheiss*) Ich bin kein Raucher und wohne auch nicht im Kohleabbaugebiet. Also opferte ich eine der beiden Pflanzen, die ohnehin schnell nachwachsen.
Übers Wochenende gedachte ich dann mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Das wurde aber dadurch „vereitelt“, dass ich am Samstag ja am Markt des guten Geschmacks teilgenommen habe. Viel länger als gewollt und gedacht. Da war er wieder den ganzen Tag alleine und das tat mir schrecklich leid. Und Sonntag war ich auch mehrere Stunden unterwegs, weil ich zum Brunchen verabredet war.
Wenigstens brachte mir Ulrike beim Treffen am Samstag zwei Geschenke mit: Handfeste Leckerlis und so ein kleines Katzenkissen mit Baldrian oder sowas. Hab ich abends natürlich gleich beides ausprobiert. Die Leckerlis wollte er auch nicht, aber das kleine Kissen wurde sofort in Beschlag genommen und stundenlang nicht mehr losgelassen.

Montag dann Nachschub an Katzenfutter besorgt. Und noch ein paar neue Leckerlis.

Ist alles in Ordnung?

Beides wurde begeistert aufgenommen – er scheint auf die Sachen vom Lidl zu stehen. Ich hab mich gefreut. Bald aber nicht mehr. Denn keine 10 Minuten später brachte Mr. C alles retour und kotzte mir in die Küche. Hmpf. Das schien ihn nicht weiter zu stören. Er klagte nicht, er war munter und spielte gleich weiter.

Die nächsten Tage verbrachte ich mit ständigen Sorgen, denn er hatte in der Nacht auch Durchfall. Beides blieb zwar eine einmalige Angelegenheit, aber wirklich ruhig bin ich trotzdem nicht. (Wenn ein Anruf beim Tierarzt mir auch versicherte, das könne schon mal vorkommen und wäre nicht dramatisch, wenn es sich nicht wiederholt.) Weil ich vermute (und irgendwie hoffe), dass es einfach die Grünlilie ist, die er doch nicht verträgt, habe ich die jetzt wieder außer Reichweite genommen. Und auch alle anderen Pflanzen und Pflanzenteile die erreichbar für ihn waren. (Ich hätte nicht gedacht, dass er auch auf das Fensterbrett in der Küche springt, wo es dort so eng und schmal ist. Aber nun ja, es ist einer seiner Lieblingsplätze.)

Stolperfallen und ein adoptierter Karton

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Schlafplatz, Kratzbaum und offenbar auch Katzenklo

Nach wie vor ist er total verschmust sobald ich nach Hause und/oder in die Küche komme. Dann streicht er mir um die Beine und bringt mich oft zum Stolpern. Nicht nur wenn er was fressen will. Bei allem Verständnis ist das manchmal nervig. Gerade wenn ich kochen will. Ich nehme mir aber auch die Zeit mit ihm zu schmusen und zu spielen. Nur selten sitzt er bei mir mit auf dem Sofa und lässt sich streicheln. Aber die einträchtigen Abende auf dem Sofa nehmen zu.

Er hat jetzt auch einen der Kartons adoptiert, in dem die Bücher geliefert werden. Den nutzt er als Kratzbaum und schläft auch drauf. Dummerweise verwechselt er ihn auch mit dem Katzenklo, wie ich gerade entdeckt habe. *seufz* Immerhin kratzt er nicht mehr die Tapete von der Flurwand. Zumindest nicht mehr soviel. Nur die Sache mit den Pflanzen im Wohnzimmer sehen wir noch sehr unterschiedlich. Er nutzt jede Gelegenheit um am Ficus oder der Palme rumzufressen. Und ich stehe dann mit der Wassersprühflasche im Anschlag da.

Noch kein herzliches Verhältnis

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Seltener gemeinsamer Moment auf dem Sofa

Das Mr. C und ich (noch) kein herzliches Verhältnis haben liegt sicher an mir. Ich traue ihm nicht so recht. Beispielsweise wage ich es nicht, ihn auf den Arm zu nehmen und zu knuddeln. Und ich gehe davon aus, dass ich für ihn zu viele widersprüchliche Signale sende. An die eine Pflanze darf er ran, aber an die anderen nicht? Auf dem Brett soll/kann er kratzen, aber am Sofa nicht? Aufs Sofa darf er rauf, aber auf den Tisch der gleich hoch ist und daneben steht nicht? Auf das Fensterbrett in Küche, Wohnzimmer und Gästezimmer darf er, aber auf das im Schlafzimmer nicht? Für eine Katze sicher schwer zu verstehen, obwohl ich jeweils meine Gründe habe.

Ich empfinde das Leben als Katzenmama also sehr zwiespältig. Zumindest als Katzenmama einer geborgten, ausgewachsenen Katze. Vielleicht wäre es anders, wenn es meine eigene Katze wäre. Aber nein, wenn ich eine Katze hätte, würde ich nicht in einer Wohnung in der Stadt leben, sondern irgendwo, wo die Katze raus könnte. Damit wäre mir schon mal die Sorge mit der Langeweile genommen. Obwohl … dann würde ich mir Sorgen machen, er könnte überfahren werden. Hmmm… Jedenfalls meine Vorbehalte gegen Wohnungskatzen haben sich eher verstärkt als verringert. Zumal ich ständig den Eindruck habe ich rieche nach Katzenklo und Katzenfutter und überhaupt. Soweit meine Eindrücke der ersten Woche mit Mr. C. Ich werde bestimmt die Tage wieder darüber schreiben.

 

Wie geht es weiter? Muss Mr. C doch noch zum Tierarzt? Wird sich das Verhältnis zur Katzenmutter noch verbessern? Wann stellt er ihr endlich ein Bein und bringt sie zu Fall? Lest mehr in der nächsten Folge von Vorübergehend Katzenmama
 
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4 Gedanken zu “Vorübergehend Katzenmama II

  1. Ach, ist der süüüß ❤ (sorry, ich steh seit Wallee-Wutz total auf Kuhkatzen…)

    Das mit dem Brechen kann auch von der Futterumstellung kommen, das passiert. Und eben der ganzen, ungewohnten Situation für den Plüschpöker überhaupt.

    Wenn er auf den Karton macht, Karton weg, sonst meint er, das wär richtig so… nicht gut!

    Ansonsten: Vielleicht mal einfach genießen, dass da ein Wesen Dich "umarmt", wenn Du in der Küche stehst 🙂 Hab ich wo gelesen, dass dieses um die Beine streichen nicht nur dem Markieren gilt, sondern auch wie eine Umarmung auf Katzenart ist 🙂 Und wenn er dann noch blinzelt…hachz ❤

    Mehr davon bitte!!! Also von Deinen Alltag-mit-Katze-Dingen!!!

    Gefällt 1 Person

    • Ja, er kann ganz süss sein. 😉 Ich gestehe, wenn ich eine Katze wählen müsste, hätte sie vermutlich nicht Mr. C getroffen. Aber da kann das Tier ja nix für.
      Ja, ich denke auch, dass Kotzen und der einmalige Durchfall einfach Stressreaktionen waren. Und auch das Pinkeln auf den Karton. Da war wohl auch ich schuld, weil das Katzenklo nicht sauber genug war. Ich habe mich etwas leichtfertig, auf die Aussage „1 Katze = 1 Monat“ verlassen und daher nur das Gröbste entsorgt. Jetzt ist das Klo wieder sauber und ich hab einen Klumpstreu gekauft, die ich deutlich geschickter finde. Auch wenn sie mehr Dreck drumrum macht.
      Ich find das auch schön, dass er mich offenbar akzeptiert. Und ich setz mich dann auch einfach auf den Küchenboden und es wird einfach nur gestreichelt. Er kommt da auch, wenn das Essen schon da steht. Daher seh ich das als Kompliment, dass ich doch keine so unzulängliche Katzenmama bin. Neuerdings kommt er auch abends mit auf die Couch oder hockt sich gleich auf meine Brust. *g*
      Ich werde sicher noch mal von unserem Zusammenleben berichten. 🙂 Dann mach ich auch noch paar Fotos.
      Liebe Grüße Sanne

      Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Vorübergehend Katzenmama III | Wortgestalten

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