Tsokos/Gößling: Zersetzt

Bereits 10 Jahre bevor Dr. Fred Abel in „Zerschunden“ einen brisanten Fall löst, muss er in „Zersetzt“ einige harte Nüsse knacken. Einen Waterboarding-Fall und einen offenbar falsch attestierten Todesfall. Bei letzterem muss Abel direkt an einen Serientäter denken. Aber dann muss er in Transnistrien erst einmal zwei Leichen obduzieren, die offenbar bereits mehrere Jahre in ungelöschtem Kalk gelegen haben. Dieser zersetzt die menschlichen Körper, so dass eine Identifizierung sehr schwierig ist.

_ZersetztIm rechtsmedizinischen Institut in Berlin ist wieder mal einiges los. Für die Mitarbeiter liegt eine Leiche bereit bei der ein Tod durch Waterboarding vermutet wird. Der Tote ist arabischer Herkunft, arbeitete im Berliner Abgeordnetenhaus und wurde auch genau dort mit den deutlichen Spuren der inzwischen recht bekannten Foltermethode aufgefunden.
Die zweite Leiche gibt weit mehr Rätsel auf. Vom Arzt wurde auf dem Totenschein ein natürlicher Tod in Folge einer fortgeschrittenen Krebserkrankung angegeben. Bei der routinemäßigen Überprüfung vor der Einäscherung, durch eine andere Ärztin kamen jedoch Zweifel auf. Nicht nur wies der Tote nicht die charakteristischen Merkmale der Erkrankung auf, sondern es fand sich auch noch eine kleine Einstichstelle in seiner Kniekehle. Bei Abel schrillen die Alarmglocken.
Eigentlich soll Dr. Fred Abel sich lt. seinem Chef Dr. Herzfeld um den Waterboarding-Fall kümmern. Doch die Leiche mit dem ominösen Einstich wirkt auf ihn viel interessanter. Er übergibt also das Waterboarding-Opfer an seinen Kollegen Dr. Scherz und hofft, dass dieser nicht wie üblich mit seinen Schlussfolgerungen über das Ziel hinaus schießt. Er selbst obduziert den falsch attestierten natürlichen Tod.
Seine Recherchen muss er allerdings unterbrechen, als Dr. Herzfeld ihn nach Transnistrien schickt. Dort wurden zwei Leichen in einem Container voll ungelöschtem Kalk gefunden. Dr. Abel soll die Identität der beiden Toten herausfinden. Nicht dass es in dem kleinen Land keine Rechtsmediziner gäbe. Doch entgegengesetzte Strömungen in der Politik, machen es unmöglich, dass ein ortsansässiger Mediziner ein neutrales Gutachten abgeben kann. Zumal man schon ahnt, wer die beiden Toten sind. Und das birgt gewissen Zündstoff.
Als Dr. Abel vor Ort eintrifft, bekommt er unmittelbar den Druck zu spüren. Von einer normalen Obduktion kann nicht die Rede sein, denn er steht unter ständiger Beobachtung und Bewachung. Muss überdies unter primitiven Bedingungen arbeiten. Als er sein vorläufiges Ergebnis vorlegen soll, spitzt sich die Lage dramatisch zu.

Spannend und interessant, aber seltsam unbeeindruckend

Mich hat dieser Thriller seltsam unbeeindruckt gelassen. Ich fand ihn durchaus spannend und dank des True-Crime-Elements auch sehr interessant. Als ich ihn zur Hand genommen hatte, wollte ich dann schon auch wissen wie es weiter geht. Als Page-turner möchte ich ihn aber nicht bezeichnen.
Auf der einen Seite ist es natürlich gut zu erfahren, wie es tatsächlich in einem Rechtsmedizinischen Institut zugeht, was so ein Rechtsmediziner überhaupt macht und welche Fälle er bearbeitet. Und das in einem Thriller zu präsentieren liegt auch nahe. Ich bin ein großer Fan von Thrillern und ich lese auch sehr gern wahre (und tragische) Geschichten über Menschen. Daher müsste eigentlich dieser True-Crime-Thriller voll meinen Nerv treffen. Tut er aber nicht.
Der Reiz eines Thrillers ist für mich, dass ich ihn lese, mich grusel und erschrecke und auch schockiert bin über das was im Buch geschieht – aber dass ich eben auch weiß, es ist alles nur ausgedacht und stimmt nicht. Man kann alles auf die (kranke?) Fantasie des Autors schieben.
Bei all den grausigen Details, die im True-Crime vorkommen, kann man das eben nicht (nur) auf den Autor schieben. Da weiß man, es gibt einen tatsächlichen Fall bei dem ein Mensch diese Verletzungen erlitten hat.
Zudem empfinde ich manche Stellen als zu korrekt, zu oberlehrerhaft, irgendwie steif. Und damit meine ich nicht die Stellen an denen ein Obduktionsbericht zitiert wird. Manchmal habe ich den Eindruck ich kann genau sagen, welche Stellen von Dr. Tsokos und welche von Andreas Gößling geschrieben wurden. Allerdings kommt dieses Oberlehrerhafte nicht übermäßig vor und es ist nicht penetrant.
Was mir hingegen etwas aufstößt ist die Tatsache, dass dieses Buch von Dr. Michael Tsokos und Andreas Gößling gemeinsam geschrieben wurde, aber auf dem Buchtitel lediglich Dr. Tsokos benannt ist. Hr. Gößling wird zwar im Buch selbst ebenfalls aufgeführt, aber auf das Cover durfte er nicht. Das war auch schon bei Band 1 dieser Trilogie so und ich finde das nicht gut, um nicht zu sagen unfair.
Wenn ich auch nicht in Jubel ausbreche über dieses Buch, so kann ich die Lektüre dennoch empfehlen. Es ist spannend und für denjenigen der schon immer mehr über Rechtsmedizin wissen wollte auch interessant.

Mehr Bücher von Michael Tsokos:

Zerschunden
Der Totenleser
Abgeschnitten (mit Sebastian Fitzek)

 

Autorenporträts
Michael Tsokos, 1967 geboren, ist Professor für Rechtsmedizin und international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Forensik. Seit 2007 leitet er das Institut für Rechtsmedizin der Charité. Seine Bücher über spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin sind allesamt Bestseller.

Andreas Gößling wurde 1958 geboren und ist promovierter Literatur- und Sozialwissenschaftler. Unter Pseudonym und seinem eigenen Namen hat er zahlreiche Sachbücher und Romane für jugendliche und erwachsene Leser verfasst. Er lebt als freier Autor mit seiner Frau in Berlin, wo er auch den Spezialverlag MayaMedia leitet.

Buchinfo
„Zersetzt“ Fred-Abel-Reihe, Band 2 von Michael Tsokos und Andreas Gößling, erschienen bei rororo
Klappenbroschur: 432 Seiten, € 14,99, ISBN 978-3-426-51877-9
eBook: 432 Seiten, € 12,99, ISBN 978-3-426-43773-5

Quellen
Bild/Autorenporträt: http://www.droemer-knaur.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

 

Wenn Ihr das Buch gelesen habt, schreibt mir doch wie es Euch gefallen hat. Ich freue mich auf Eure Meinungen

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4 Gedanken zu “Tsokos/Gößling: Zersetzt

  1. Pingback: Michael Tsokos: Sind Toten immer leichenblass? | Wortgestalten

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