BüRü: Tania Blixen: Jenseits von Afrika

Schon bevor ich diesen Blog hier gestartet habe, schrieb ich Rezensionen. Darunter waren viele Bücher, die mich in irgendeiner Weise (in der Regel positiv) beeindruckt haben. Und es wäre schade, wenn man sich immer nur mit Neuerscheinungen beschäftigt ohne auch mal zurück zu blicken. Daher möchte ich Euch unter der neuen Kategorie „Bücherrückblick“ – kurz BüRü – eben die Bücher vorstellen, die zwar nicht neu, aber eben für mich sehr nachhaltig sind. Viel Spaß dabei.

„Jenseits von Afrika“ – Buch und Film sind schon beinah legendär. Eine junge Dänin, die in Kenia eine Kaffeefarm bewirtschaftet. Nach 17 Jahren muss sie die Farm verkaufen und zurückkehren in ihre Heimat. Was bleibt sind Erinnerungen und ein fantastisches Buch.

jenseits-von-afrika„Jenseits von Afrika“ ist kein Roman wie man meinen könnte. Es ist eine Sammlung von Eindrücken, Anekdoten, Begebenheiten und Beschreibungen der Bewohner und auch Gästen dieser Farm. Und dies ist noch nicht einmal zwingend chronologisch aneinander gereiht.
Blixen, die mal mit dem Vornamen Tania oder Karen auftritt oder gleich unter ihrem Mädchennamen Isak Dinesen, berichtet beispielsweise von dem jungen Kamante. Ein wilder, ungestümer Junge der auf sich gestellt ist. Dem sie begegnet, seine Wunden verarztet, ihn schließlich sogar in ein Hospital bringt. Der sich zum christlichen Glauben bekehren lässt und fortan in Blixens Haus Dienst tut. Er wird einer ihrer treuesten Diener.
Oder von der kleinen Antilope Lullu. Auch diese nimmt Blixen in ihr Haus auf, bis sie herangewachsen ist und zurückkehrt in den nahen Wald. Die sie danach aber noch immer auf der Farm besucht und ihr Familienglück zeigt.
Anekdoten über sogenannte „Ngomas“ – rituelle Tanzveranstaltungen der Eingeborenen, die auf ihrer Farm stattfinden. Zu denen auch Menschen von weither anreisen, um diesen Ereignissen beizuwohnen.
Beschreibungen von Ausflügen, verschiedenen Bediensteten, Tieren und Gästen. Von Jagden oder dem Anlegen von Seen auf dem Grundstück. Von einer Heuschreckenplage und Dürreperioden, von der Natur zur Regenzeit.
Und natürlich berichtet Blixen vom Verkauf der Farm, ihrem Abschied von Land und Leuten.

Farbenprächtiges Afrika, blasse Protagonistin

Das Buch ist ein einziges Kaleidoskop an Afrika-Bildern. Blixen bietet fantastische Momentaufnahmen der Menschen und der Natur. Sie berichtet über ihre Umgebung und lässt dabei die Liebe zu Land und Leuten spüren.
Dennoch spricht sie wenig über den Alltag auf der Farm oder warum überhaupt sie nach Kenia ging. Sie selbst bleibt all der überbordenden Farbigkeit der Erzählung seltsam blass. Gibt wenig über sich selbst und ihr Privatleben preis.
Man spürt ihren Wunsch als Wohltäterin und Gleichgestellte mit den Eingeborenen angesehen zu werden, aber auch die teilweise Arroganz und Überheblichkeit, die den weißen Einwanderern eigen ist. Ihre Heimatlosigkeit und Einsamkeit springt einem zwischen den Zeilen geradezu ins Auge.
Einziger und ungewöhnlicher roter Faden im Buch ist und bleibt die Farm am Fuße der Ngong-Hills. Sie ist das Bindeglied all der kurzen Episoden. Die bildhafte, farbenreiche Sprache fesselt den Leser von Anfang bis Ende und macht dieses Buch zu einem regelrechten Ereignis.

 

Autorenporträt
Tania Blixen wird 1885 unter dem Namen Karen Christence Dinesen in Dänemark geboren. Neben ihr gibt es zwei Schwestern und zwei Brüder, die Mutter Ingeborg und den Vater Wilhelm. Nach dessen Tod ist die damals 10jährige Karen traumatisiert. Sie wendet sich – auch aufgrund des Fanatismus der Mutter – vom kirchlichen Glauben ab.
Im Alter von ca. 28 Jahren, 1913, heiratet Karen den Zwillingsbruder ihrer Jugendliebe und wird die Gattin von Bror Blixen-Finecke. Im gleichen Jahr wandern die beiden nach Kenia aus bzw. heiraten bereits dort. Sie wollen eine Milchfarm kaufen und bewirtschaften. Bror jedoch kauft stattdessen eine Kaffeefarm. Diese allerdings liegt zu hoch über dem Meeresspiegel und die Erträge entsprechen nicht den Vorstellungen. Das wird nach vielen Jahren Konsequenzen haben.
Wenig später bricht der Erste Weltkrieg aus. Bror wird eingezogen und Karen bleibt allein auf der Farm. Zwar unternimmt sie eine Reise durch Afrika bis an die Front, doch auch dieses Abenteuer endet nach einigen Monaten. Blixen kehrt zurück zur Farm und in die Einsamkeit. Zwar aufgeschlossener als manch andere Einwanderer der Besatzungsmächte, ist sie dennoch in ihrer Rolle als Aristokratin regelrecht festgelegt. Den Einheimischen Kikyuyu, die ihre Farm bewirtschaften ist sie dennoch zugetan.
Im Jahr 1925 folgt die Scheidung von Bror Blixen-Finecke. Zu diesem Zeitpunkt hat Karen bereits jahrelang eine Affäre mit dem Großwildjäger Denys Finch Hatton. Dieser zieht auf Safaris durch Afrika, lebt zwischen diesen Unternehmungen allerdings auf Blixens Farm.
Auch nach ihrer Trennung als Paar bleiben Blixen und Finch Hatton befreundet. Sein Tod Mitte des Jahres 1931 trifft sie hart. Der Großwildjäger wird in ihrem gemeinsamen Lieblingsplatz beerdigt. Gleichzeitig kündigt sich unbarmherzig der Abschied von der Farm am Fuß der Ngong-Hills an. Blixen kann die Farm nach 17 Jahren ohne die notwendigen Kaffeeerträge nicht mehr halten. Noch im selben Jahr muss sie verkaufen und kehrt zurück auf den dänischen Familiensitz in Rungstedlund nahe bei Koppenhagen. Sie kann immerhin ein Bleiberecht auf der Farm für „ihre“ Kikuyuy erwirken.
Fortan widmet sie sich in Dänemark der Schriftstellerei. Im Alter von 77 Jahren stirbt Blixen 1962 auf dem Familiensitz. 7

Buchinfo
“Jenseits von Afrika“ von Tania Blixen, Mit Nachwort von Ulrike Draesner
Gebundenes Buch: erschienen Februar 2012 bei Manesse, 688 Seiten, € 24,95, ISBN: 978-3-7175-2276-8

Quellen
Bild+Autorenporträt: www.randomhouse.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

 

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