Stefan Maiwald: Der Spion des Dogen

Nach einem Komplott landet Davide Venier in den Diensten des Kanzlers von Venedig. Entweder Spion oder Gefangener in den Bleikammern, das sind Davides Optionen. Der junge Mann entscheidet sich für ersteres und erlangt so seine Freiheit wieder. Dafür eilt ihm bald sein Ruf voraus und auch andere Länder trachten danach ihn zu beschäftigen.

Es roch nach nasser Kleidung, verschüttetem Wein und Urin. Ein Musiker spielte auf einer Bratsche das venezianische Volkslied „Monta in Gondola“, „Steig ein in die Gondel“, ein paar Europäer langen herrlich schräg und voller Lust mit.“ (Zitat Seite 160)

_Der Spion des DogenVöllig unvermittelt wird der junge Lebemann Davide Venier eines Abends von den Inquisitoren abgeholt und in die berüchtigten Bleikammern von Venedig gebracht. In einem Eilprozess wird er von unzähligen Zeugen verleumdet und der übelsten Verbrechen bezichtigt. Seine Strafe: 10 Jahre in den Bleikammern und der Verlust all seiner Besitztümer.
Doch sein Aufenthalt wird verkürzt. Von seinem Mitgefangenen Hasan wird er in wenigen Jahren in Selbstverteidigungs- und Kampftechniken geschult. Auch für die geistige Förderung sorgt sein Zellengenosse. Nachdem er bei einer Gefängnisprügelei sein Können unter Beweis gestellt hat, wird er vor Calaspin, den Kanzler von Venedig gebracht. Dieser schlägt ihm seine Freilassung vor, wenn er denn fortan für ihn und für Venedig als Spion arbeitet. Davide stimmt dem Handel zu.
Bald reist der frisch gebackene Spion in Europa herum und erfüllt erfolgreich seine Aufträge. Das bleibt auch den Osmanen nicht verborgen. Denn mehrfach kommt Davide bei seinen Einsätzen auch deren menschlicher Geheimwaffe Crollio in die Quere. Dieser treibt seit geraumer Zeit sein Unwesen in Venedig. Und das wo die Stadt ohnehin schon unruhig ist und ein Krieg mit den Osmanen droht.

Verwirrende Spionagegeschichte im Zeitraffer

Ich werde aus dem Buch nicht richtig schlau. Mir hat einiges nicht gefallen an der Geschichte, dem Schreibstil bzw. der Erzählweise. Und den Schluss fand ich auch nicht … nun ja, schlüssig.
Zunächst ist der Titel irreführend, denn Davide ist nicht der Spion des Dogen, sondern der des Kanzlers. Mit dem Dogen hat Davide so gut wie gar nichts zu tun. Dann konnte ich Davides Werdegang nicht so recht folgen. Vor allem am Anfang – bis der Protagonist erstmal Spion wird – hatte ich den Eindruck, das wird alles im Schnelldurchlauf erzählt. Quasi eine Zusammenfassung. Mir ist auch später, bei der Schilderung seiner Einsätze, völlig entgangen, dass es sich immer um wichtige Aufgaben handelte und Davide sich als Spion einen Namen macht. Mir hat sich im ganzen Buch überhaupt kein bisschen Brisanz gezeigt. Die Gefahr, in der Venedig angeblich die ganze Zeit schwebt und der drohende Krieg gegen die Osmanen, sind total an mir vorbei gezogen. Es ist mir auch nach wie vor schleierhaft, was es mit dem Komplott um Davide Venier auf sich hat. Die vier Seiten, die der Autor der Auflösung gewidmet hat, lassen bei mir mehr Fragen offen als sie beantworten. Was mich aber nicht wirklich neugierig auf den zweiten Teil um Davide Venier macht.
Ganz abgesehen davon, finde ich den Erzählstil etwas eigenwillig. Grundsätzlich schreibt der Autor in der Vergangenheitsform. Zwischendrin gibt es aber Abschnitte, in denen er plötzlich die Jetzt-Form wählt. Das ist verwirrend, auch wenn es nicht sehr oft vorkommt. Aber auch die jeweiligen Kapitelanfänge haben mich regelmäßig stutzen lassen. Immer wieder landet man in Szenen, die sich erst nach einer halben Seite so richtig erläutern.
Ich finde das Buch zu unvollständig. Auf der einen Seite wird vieles, meiner Meinung nach, zu schnell abgehandelt wird (Stichwort Zusammenfassung) und könnte ausführlicher und nicht im Zeitraffer beschrieben werden. Dafür könnte man andere, unwichtige Dinge weglassen. Wie zum Beispiel die völlig irrelevante Begegnung mit John Shakespeare und seinem Sohn William. Diese trägt überhaupt nichts zur Geschichte bei.
Immerhin: Bis zu einem gewissen Grad fand ich die Lektüre spannend. Überzeugt hat mich das Buch aber nicht.

Mehr Historische Romane/Krimis:

Oliver Pötzsch: Die Henkerstochter und das Spiel des Todes
Antonia Hodgson: Der Galgenvogel
Lyndsay Faye: Das Feuer der Freiheit

 

Autorenporträt
Stefan Maiwald, geboren 1971, ist mit einer Italienerin verheiratet, lebt mit seiner Familie in Italien und schreibt u. a. für ›GQ‹, ›Freundin‹, ›Merian‹, das ›SZ-Magazin‹ und das ›Golf Journal‹.

Buchinfo
„Der Spion des Dogen“ von Stefan Maiwald, erschienen bei dtv premium
Taschenbuch: 416 Seiten, € 15,90, ISBN 978-3-423-26124-1
eBook: 400 Seiten, € 13,99, ISBN 978-3-423-43050-0

Quellen
Bild / Autorenporträt: www.dtv.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

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